Göttinger Gildenwahl: Handwerker wollen weniger Bürokratie

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Gildenwahl: (von links) Ehren-Kreishandwerksmeisterin Katja Thiele-Hann, Bundestagsabgeordneter Dr. Carsten Linnemann, Andreas Gliem, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, und Kreishandwerksmeister Christian Frölich. 

Göttingen. Handwerker in Südniedersachsen ärgern sich über Auswüchse bei staatlichen Regelungen. Auf Beispiele machte Kreishandwerksmeister Christian Frölich am Montag bei der Gildenwahl in Göttingen aufmerksam.

Gleich einen ganzen bunten Strauß an Ärgernissen hatte Frölich mitgebracht. So berichtete er von einem Hallenneubau mit Bürotrakt aus dem Jahr 2007 in der Region. Schon damals seien alle Auflagen aus dem Brandschutz erfüllt worden. Im vergangenen Jahr kamen weitere Forderungen hinzu. Dabei gebe es gesetzliche Spielräume. Nur die würden nicht genutzt, so Frölich.

Lenk- und Ruhezeiten

Kritik übte er auch an Kontrollen von Lenk- und Ruhezeiten von Fahrern von regionalen Lebensmittelbetrieben. Sie fahren laut Frölich in der Regel zwischen 3 und 11 Uhr. Unverständnis löste bei ihm ein Fall aus, bei dem ein Lenkzeitverstoß von acht Minuten moniert wurde.

Thema Hygiene

Weiterhin gebe es für Lebensmittelbetriebe immer größere Forderungen im Bereich der Hygiene. Dazu gehören zusätzliche Handwaschbecken sowie berührungslose Armaturen, die teurer als die üblichen Armhebelarmaturen sind. Außerdem müsse inzwischen ein Energiemanagement eingeführt werden. Frölich: „Dabei sparen die Betriebe ohnehin schon kräftig in diesem Bereich.“

Forderung

Aus den Beispielen leitete Frölich eine Forderung an die Politik ab: „Wir brauchen stabile und konstante Bedingungen und einen fairen Umgang.“ Schließlich könnten Handwerksbetriebe ihren Sitz nicht einfach in ein Steuerparadies verlegen.

In seiner Festrede räumte Bundestagsabgeordneter Dr. Carsten Linnemann (CDU) aus Ostwestfalen ein, dass im vergangenen Jahr bei der Flüchtlingskrise viel Vertrauen verspielt worden sei. Abgeordneter Linnemann: „Es wurde viel schön geredet.“

Flexi-Rente

Außerdem warb der Vorsitzende der CDU-Mittelstandsvereinigung für die Flexi-Rente, die ab 2017 möglich ist. Sie biete die Möglichkeit, den Einstieg in den Ruhestand besser zu gestalten. Außerdem werden bestimmte Regelungen abgeschafft: Beispielsweise zahlen berufstätige Rentner zukünftig keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung mehr.

Neuer Obermeister

Als neuer Obermeister der Innung für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik wurde Wolfgang Regenhardt aus Adelebsen vorgestellt. Er will sich für eine gute Ausbildung einsetzen. Außerdem will er erreichen, dass sich mehr Realschüler und Abiturienten für eine Lehre in seiner Innung interessieren.

Abiturienten

Nachholbedarf beim Thema Abiturienten im Handwerk sieht auch Buchbindemeisterin Ameli Stock-Gissendanner, die ihr Meisterstück – ein in Leder gebundenes Buch mit Schuber – im Alten Rathaus präsentierte. Sie plädierte dafür, dass das Handwerk stärker in den Schulen Präsenz zeigen sollte. Gerade in den Göttinger Gymnasien liege der Fokus auf dem späteren Studium, so die Absolventin des Hainberg-Gymnasiums, die neben ihrer handwerklichen Ausbildung auch ein Lehramtsstudium absolvierte.

Speckkuchen

Speckkuchen durfte Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler als erster probieren. Zuvor hatte er unter anderem für die neue Stabsstelle Wissenschaft und Wirtschaft in der Verwaltung geworben.

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