Insekten können Krankheiten übertragen

Göttinger Professor: Gefährliche Mücken dringen nach Deutschland vor

Winzig und überträgt gefährliche Krankheiten: Die Asiatische Tigermücke (Foto) hat sich inzwischen bis nach Deutschland vorgearbeitet.
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Winzig und überträgt gefährliche Krankheiten: Die Asiatische Tigermücke (Foto) hat sich inzwischen bis nach Deutschland vorgearbeitet.

Göttingen. Kleine Plagegeister, die es früher hier nicht gegeben hat, sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Sie können schwere Krankheiten übertragen.

Um diese Parasiten dreht sich alles derzeit bei einer Fachtagung in Göttingen. Wir sprachen mit Prof. Dr. Carsten Lüder, dem Präsidenten der Tagung.

Mit welchen neuen Parasiten müssen wir in Deutschland rechnen?

Prof. Dr. Carsten Lüder: Die Asiatische Tigermücke hat sich in den vergangenen 20 Jahren bis nach Deutschland vorgearbeitet. Im Gegensatz zur Hausmücke kann sie Krankheiten, die sonst nur in den Tropen vorkamen, auch bei uns übertragen.

Welche Krankheiten sind das?

Lüder: Das sind gefährliche Virus-Erkrankungen, zum Beispiel das Chikungunya-Virus. Es löst eine fiebrige Allgemeinerkrankung aus, die lebensbedrohlich werden kann. Einen ersten Ausbruch gab es 2007 in Norditalien. Es gibt bislang noch keine Impfung.

Was geht noch für eine Gefahr von der Mücke aus?

Lüder: Sie übertragt auch den Hundehaut-Wurm Dirofilaria auf den Menschen, der unangenehme Hauterkrankungen verursachen kann.

Warum ist die Mücke bis nach Deutschland vorgedrungen?

Lüder: Das ist unter anderem eine Folge des Klimawandels. Es wird immer wärmer, und das lieben die Mücken. Außerdem kommen durch den weltweiten Handel diese Mücken bis zu uns.

Wie schaffen es die Mücken ganz konkret bis nach Deutschland?

Lüder: Ihnen reicht eine geringe Menge Wasser zum Brüten, die sie zum Beispiel bei Transporten von Autoreifen vorfinden. Es wurde nachgewiesen, dass die Mücken an den großen Autobahnen vorkommen.

Wie kann man die Mücken bekämpfen?

Lüder: Man kann darauf achten, dass Transporte gut abgedeckt werden und sich dadurch keine Brutmöglichkeit mehr ergibt. Außerdem wäre eine eventuelle Behandlung von Transporten mit Spritzmitteln sinnvoll. Allerdings müssten dazu mehr Fahrten überwacht werden.

Welche anderen Plagegeister finden derzeit ihren Weg zu uns?

Lüder: Wir gehen davon aus, dass in den kommenden Jahren weitere Mückenarten bei uns einwandern. Sie können weitere Krankheiten übertragen.

Haben Sie ein aktuelles Beispiel?

Lüder: Ja, in Österreich wurden kürzlich erstmals Sandmücken nachgewiesen. Sie übertragen Leishmanien. Das sind einzellige Parasiten, die Hautgeschwüre wie die Orientbeule auslösen können. Außerdem können sie die lebensbedrohliche Eingeweide-Leishmaniose verursachen, bei der vor allem Leber und Milz angriffen werden.

Gibt es Medikamente dagegen?

Lüder: Gegen diese Parasiten helfen inzwischen wirksame Medikamente, die aber starke Nebenwirkungen haben können. Außerdem dauert es oft lange, bis die Krankheit überhaupt erkannt wird.

Wie sieht es mit Parasiten im Essen aus?

Lüder: Das kann ein Problem sein - insbesondere bei Fleisch, das vor dem Verzehr nicht durchgegart wurde. Dieses kann das Toxoplasmen, einen Einzeller, enthalten. Das ist die häufigste parasitäre Erkrankung, die meist unauffällig verläuft. Durch eine Studie des Robert-Koch-Institutes wurde kürzlich nachgewiesen, dass die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland den Parasiten in sich trägt, ohne es wissen und ohne zu erkranken.

Was können Toxoplasmen auslösen?

Lüder: Erkankungen treten vor allem bei immungeschwächten Personen oder bei Schwangeren auf. Sie können den Einzeller auf das ungeborene Kind übertragen, das dadurch stark geschädigt werden kann. Schwangere und immungeschwächte Personen sollten deshalb kein rohes Fleisch essen.

Zur Person

Prof. Dr. Carsten Lüder

Prof. Dr. Carsten Lüder (53) leitet am Institut für Medizinische Mikrobiologe der Universitätsmedizin Göttingen eine Arbeitsgruppe zur Toxoplasmose, der häufigsten parasitären Erkrankung in Deutschland. Er studierte Biologie in Tübingen und habilitierte an der Universitätsmedizin in Göttingen. In seiner Freizeit engagiert er sich als Vorsitzender des SV Groß Ellershausen/Hetjershausen für Sport. Er ist verheiratet und wohnt in Groß Ellershausen.

Hintergrund: Parasiten-Forscher treffen sich bis Samstag in Göttingen

Forscher, die sich mit Parasiten beschäftigen, treffen sich bis zum Samstag, 12. März, in Göttingen. In der Uni-Stadt findet zurzeit die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Parasitologie statt.

Link zum Thema:

- Website der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Parasitologie

Dazu werden 300 bis 350 Gäste erwartet. Die Gesellschaft vereinigt Forscher aus der Zoologie und Botanik,der Medizin - insbesondere der Tropenmedizin -, der Veterinärmedizin, der Mikrobiologie und Hygiene sowie Wissenschaftler, die im Pflanzenschutz und in der Schädlingsbekämpfung arbeiten.

Ein zentrales Thema bei dem viertägigen Treffen in Göttingen ist die Medikamentenentwicklung.

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