Weil sie Kopftuch trug

Gast lehnte Kellnerin ab - Hotelchef: Wer diskriminiert, wird nicht bedient

Göttingen. Ein Gast in einem Göttinger Tagungshotel wollte sich nicht von einer Kellnerin bedienen lassen, die ein Kopftuch trägt. Der Hotelchef setzt sich gegen diese Diskriminierung zur Wehr. Er verwies den Gast des Hauses.

Wer in ein Restaurant geht, erwartet vor allem zwei Dinge: Gutes Essen und eine aufmerksame und freundliche Bedienung. Olaf Feuerstein, Geschäftsführer des Göttinger Tagungshotels „Freizeit In“, sieht sich in jüngster Zeit mit ganz neuen Ansprüchen konfrontiert: Seit einigen Monaten kommt es immer wieder vor, dass sich Gäste nicht von ausländisch aussehenden Servicekräften bedienen lassen wollen.

Olaf Feuerstein

Kürzlich habe es beispielsweise eine Tagungsteilnehmerin abgelehnt, sich von einer Kellnerin bedienen zu lassen, die ein Kopftuch trägt. Der Hotelier reagiert darauf stets mit einer klaren Ansage: „Ich habe die Dame gebeten, unser Haus nicht wieder aufzusuchen“, sagt er.

Seit Beginn der Flüchtlingskrise habe es jeden Monat drei bis vier Fälle gegeben, wo Gäste den Wunsch äußerten, nicht von Servicekräften mit Migrationshintergrund bedient zu werden, sagt Feuerstein. Der Geschäftsführer lehnt solche Anliegen kategorisch ab und stellt sich schützend vor seine Mitarbeiter. „Uns ist es egal, wo unsere Mitarbeiter herkommen. Bei uns arbeiten Menschen mit 19 unterschiedlichen Nationalitäten. Wem das nicht gefällt, der muss woanders hingehen.“

Der Hotelchef ist nicht nur entsetzt, dass Gäste ihre Ablehnung derart offen äußern, sondern auch darüber, wer sich derart diskriminierend verhält. „Das ist kein bildungsfernes Publikum. Das sind gebildete Leute, die zwei Tage vorher Pizza beim Italiener gegessen haben“, sagt Feuerstein. Um weiteren Vorfällen vorzubeugen, hängen an zentralen Stellen im Hotel jetzt Plakate mit dem Titel: „Unsere Gastfreundschaft ist grenzenlos“. Jeder Gast kann darauf lesen, dass Diskriminierung nicht geduldet wird: „Wer in unseren Häusern von Mitarbeitern mit Migrationshintergrund nicht bedient werden möchte, den möchten wir auch nicht bedienen.“

Unterstützung

Rainer Balke, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Niedersachsen, unterstützt die klare Haltung des Göttinger Hotelchefs. Das Gastgewerbe zeichne sich seit jeher durch eine besonders hohe Internationalität aus. Als Arbeitgeber könne man keine Diskriminierung von Mitarbeitern hinnehmen. „Da gibt es null Toleranz. Wir können uns nicht vorschreiben lassen, wen wir als Personal einsetzen.“

Hans-Joachim Rambow, Geschäftsführer des Handelsverbandes Niedersachsen-Bremen, ist aus dem Bereich des Einzelhandels noch kein Fall bekannt geworden, dass Kunden sich ausdrücklich nicht von Verkäuferinnen mit Kopftuch bedienen lassen wollten.

Hotelchef Olaf Feuerstein hat neben einer Flut von ziemlich unfreundlichen Kommentaren auch zahlreiche positive Rückmeldungen bekommen. Viele hätten erklärt: „Jetzt kommen wir erst recht zu Ihnen.“ (pid)

Fall aus NRW: Apotheker schützt Mitarbeiterin mit Kopftuch 

Ein Bochumer Apotheker musste sich ebenfalls mit einer ungewöhnlichen Beschwerde auseinandersetzen, berichtet die WAZ. Eine Kundin war von einer Mitarbeiterin, die ein Kopftuch trägt, bedient worden. Das Kopftuch könne sie "definitiv nicht akzeptieren", schrieb die Kundin in einer Mail an den Apotheker. Und: Medikamente wolle sich künftig woanders einkaufen. Daraufhin veröffentlichte er die Mail der Kundin und seine Antwort auf Facebook. Darin stellt er klar: „Ich freue mich sehr, dass Sie selbst einsehen, beim nächsten Mal in eine andere Apotheke zu gehen, da Sie bei uns definitiv nicht erwünscht sind.“

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