Kabarettist Dieter Nuhr in Göttingen: Die absurde Geschlechtsneutralität

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Bissige Seitenblicke: Kabarettist Dieter Nuhr zeigte sich am Samstagabend in der Lokhalle in starker Verfassung. 

Göttingen. Für die 3000 „Zuschauer und Zuschauerinnen“ hat „Nur Nuhr“ in der Lokhalle für einen sehr vergnüglichen Abend gesorgt. Nicht nur den „Genderism“ führt er ad absurdum.

Dabei hat er eine gute Nachricht: Eigentlich ist die Welt nicht so schlecht wie alle denken. „Nuhr in der Tüte“ haben Zuschauer schon vor Beginn des Programms durch die Halle getragen. Doch wo ist das Programm eigentlich geblieben? Eine halbe Stunde lang schwadroniert der Kabarettist über Gott und die Welt, über Handys und Empfangs-Anzeige-Balken, bis er mit seinem Plan endlich loslegen will.

Dann stellt er schlicht fest: er hat gar keinen. Denn mit dem vorigen Programm habe er es sogar bis in ein Album von Bushido geschafft und sei – wie in Rapper-Fehden üblich – gedisst oder auf Deutsch schlechtgemacht worden. „Ficken ist für Rapper ein Hilfsverb“, beschreibt der Comedian die Rapper-Sprache und „disst“ Bushido zurück. „Ich kann gar nicht rappen“, schiebt er gleich ein, um allen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Was keiner versteht, fasst der Kabarettist in Worte: Wieso werden für einen Kaffee mal sieben und mal 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig? Nur ein Schlückchen Milch kann den Unterschied machen. Nuhr bringt das an den Rand des Wahnsinns.

Thematisch lässt er auch den Genderism nicht fallen. Verfechter geschlechtsneutraler Formulierungen seien auf die Endung -ix verfallen, die wohlgemerkt in den Komik-Bänden über den kleinen Gallier Asterix ausgerechnet die männliche Seite kennzeichne. Und wer wolle ein Buch lesen mit dem Titel „Der Mördix war der Gärtnix“, fragt Nuhr .

Nicht nur die Sprache in Sachen Geschlechter, auch deren Rollen stünden zur Debatte. Früher habe ein Mann hart sein müssen, heute müsse er auch eine Träne verdrücken und sich in der Küche am Herd beweisen.

Viel Applaus erntet Nuhr für die Schilderung eines Einbruchs, bei dem sich die Frau dem Ganoven in den Weg stellt und der Mann hinter ihr zusammengekauert wimmert: „Erschießen Sie meine Frau. Ich backe wunderbare Zimtsterne.“ Für das alles reicht dem Star Nu(h)r seine Stimme.

Vielleicht ist das sein Geheimnis: Alles geht ohne Aufwand. In schwarzem T-Shirt und schwarzer Hose nur mit Mikro und manchem Blick auf sein iPad bringt Nuhr die volle Lokhalle in Stimmung. Auf die Zugabe-Rufe kommt er zurück, nur um zu gestehen: Der Abend ist zu Ende. Und doch zieht er noch ein Schluss-Stück aus dem Ärmel: Der Kabarettist hält sich auf über Kollegen, die zum Schluss für ihre Bücher werben und diese dann auch noch zu signieren. „Nuhr zum Anfassen“ gibt‘s dann am Büchertisch. Dort lässt er sich auch mit Fans fotografieren.

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