Ehrenamtliche begleiten alleinreisende Minderjährige im Zug

Ein Tablet für Spiel und Spaß auf den Schienen: „Kids on Tour“-Begleiterin Marianne Busse und Marie Leisker aus Göttingen fahren gemeinsam nach Berlin. Foto: Leissa

Göttingen. Das Reiseangebot „Kids on Tour“ der Deutschen Bahn gibt es seit zwölf Jahren. Die ehrenamtlichen Helfer der Bahnhofsmission begleiteten bereits 65.000 Kinder auf ihren Zugreisen durch Deutschland, darunter auch Minderjährige aus Göttingen. Margarete Leissa ist mitgefahren.

„Diese Fahrt ist etwas besonderes, denn heute fahren Marie und ich nur zu zweit“, sagt die ehrenamtliche Bahnhofsmission-Mitarbeiterin Marianne Busse. Sie ist jeden Freitag und Sonntag als Begleiterin für das Angebot „Kids on Tour“ der deutschen Bahn für gewöhnlich mit bis zu fünf Kindern im Zug unterwegs. Aber an diesem Freitagnachmittag fährt in dem Intercity-Express von München nach Berlin nur ein Kind mit: Die elfjährige Marie Leisker aus Göttingen.

Gemeinsam mit einer weiteren Göttinger Ehrenamtlichen warten Busse und Marie am Bahnsteig auf den ICE nach Berlin, wo Marie ihren dort lebenden Vater besuchen wird. Der Zug hat fünf Minuten Verspätung, aber das störe die Elfjährige nicht, denn als Vielfahrerin sei das für sie nichts Neues. Stattdessen erzählt sie von ihren Wochenend-Plänen: „Schlittschuhfahren! Auch wenn ich es noch nicht so gut kann“, fügt sie lachend hinzu. „Ich kann es auch nicht“, sagt Busse und so beginnt eine angeregte Unterhaltung.

Zu Busses Aufgaben gehört nicht nur, die Kinder sicher von A nach B zu bringen: „Wenn die Kinder am Ende der Reise ‘Was? Wir sind schon da?’ rufen, dann weiß ich, dass ich meinen Job gut mache“, sagt sie. Für Unterhaltung soll ein Spielekoffer sorgen, den die Begleiterin aber meistens nicht braucht. „Viele Kinder haben ihr Smartphone oder Tablet mit. Ich übrigens auch“, sagt sie und holt einTablet aus ihrem Rucksack. Darauf hat sie eine Auswahl an Spiele-Apps und Kinderfilmen. Auch Marie holt im Zug als allererstes ihr Handy aus der Tasche.

Dass Kinder zunehmend Technik-affiner werden, als sie es noch zu Beginn ihrer Zeit bei der Bahnhofsmission vor sieben Jahren waren, habe ihre Arbeit als pädagogisch geschulte Begleiterin etwas erschwert. „Sie spielen oft für sich und wollen sich manchmal nicht mit den anderen mitreisenden Kindern unterhalten“, sagt Busse. Es sei eine Herausforderung, denn man wolle vermeiden, dass jeder für sich auf sein Handy starrt. Auf der anderen Seite erlebe Busse aber auch noch häufig den Beginn von Freundschaften zwischen den jungen Fahrgästen. Vor allem Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren nutzen „Kids on Tour“, etwa 40 Prozent darunter regelmäßig.

Der Zug fährt in Braunschweig ein. Busses Kopf zuckt impulsiv zur Tür des für „Kids on Tour“ reservierten Abteils - für gewöhnlich nehme sie jetzt ein weiteres Kind in Empfang. Entlang der Reisestrecke können die Fahrgäste ein- und aussteigen und werden von Ehrenamtlichen der Bahnhofsmission zu den Abholberechtigten gebracht. Eine Koordinationsstelle in Berlin kümmert sich um einen reibungslosen Ablauf. Bahnverspätungen können auch sie nicht verhindern, aber sie bleiben mit den Eltern und den Reisebegleitern in Verbindung. (mle)

So reisen Kinder ohne Eltern im Zug

Wenn Eltern nicht mit dem Kind reisen können, dann begleitet ein Ehrenamtlicher der Bahnhofsmissionen die Zugfahrt. Das Angebot „Kids on Tour“ richtet sich an Kindern zwischen sechs und 14 Jahren. Gereist wird mit Intercity-Express-Zügen (ICE) auf den insgesamt zehn Verbindungsstrecken in ganz Deutschland. Für das Angebot muss eine normale Kinderfahrkarte für die jeweilige Verbindung gelöst werden, dazu kommt eine Betreuungspauschale von 35 Euro. Gemeinsam reisende Geschwisterkinder zahlen jeweils 30 Euro. 

Auf einen Betreuer kommen maximal fünf reisende Kinder, daher müssen Eltern ihre Kinder eine Woche vorher bei der Mobilitätsservicezentale der Deutschen Bahn anmelden. Sie füllen einen Begleitvertrag sowie einen Gesundheitsbogen zu bekannten Krankheiten und Allergien des Kindes aus. Am Reisetag wird das Kind eine halbe Stunde vor Zugabfahrt zur Bahnhofsmission gebracht. Mitgenommen werden darf nur so viel, wie ein Kind selber tragen kann: In der Regel ist dies ein Reisekoffer und ein Handgepäck. www.bahnhofsmission.de/Kids-on-Tour.516.0.html

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