In Kindertagesstätten sind Männer Mangelware

Rarität: Ein Mann im Kindergarten. Noch seltener: In Ehlen bei Kassel hat Andreas Deutsch (Foto) sogar die Leitung des Kindergartens „kunterbunt“ übernommen. Archivfoto: Thon

Göttingen. Noch immer arbeiten in Kindertagesstätten wesentlich mehr Frauen als Erzieher. Im Kreis Göttingen lag im Jahr 2014 der Anteil der Männer in Kitas bei 7,3 Prozent. Diese Zahl gab das Statistische Bundesamt bekannt.

Mit dem Programm „Männer in Kitas“ wollte das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mehr männliche Fachkräfte für Kitas begeistern. Von 2011 bis 2013 wurden dafür praxistaugliche Konzepte und Strategien entwickelt und erprobt.

Laut einer Mitteilung des Bundesfamilienminsteriums arbeiteten im Jahr 2014 bundesweit 17.644 männliche Erzieher in Kitas, im Jahr 2010 waren es noch 77 Prozent weniger (9979). Doch die bundesweite Werbekampagne zeigte im Kreis Göttingen nur mäßigen Erfolg. Hier erhöhte sich die Männer-Quote von 6,8 Prozent (2011) auf 7,3 Prozent (2014), liegt aber deutlich über dem Bundesdurchschnitt von fünf Prozent.

„In den Göttinger Kindertagesstätten in städtischer Trägerschaft arbeiten derzeit sieben männliche Erzieher/Sozialassistenten“, teilt Siegfried Lieske mit. Er ist Dezernent für Personal, Schule und Jugend bei der Stadt Göttingen. Insgesamt arbeiten 160 Menschen mit pädagogischer Ausbildung in den städtischen Einrichtungen. „Der Beruf des Erziehers wird nach wie vor als ‘Frauenberuf’ gesehen“, erklärt Lieske, warum in Göttinger Kitas männliche Fachkräfte fehlen.

Ähnlich sieht es Bastian Gebbert. Der 37-Jährige arbeitet seit fünf Jahren als Erzieher in der Awo-Kindertagesstätte Ebereschenring in Hann. Münden. „Man verdient in dem Beruf zu wenig. Das Gehalt reicht nicht, um als Alleinverdiener eine Familie zu ernähren. Das ist ein riesengroßes Manko“, sagt Gebbert. Er denkt, dass auch eine männliche Bezugsperson für den Nachwuchs wichtig ist: „Auch zu Hause machen die Kinder manche Dinge lieber nur mit der Mama oder nur mit dem Papa.“

Hintergrund: Bundesweite Modellprojekte 

2011 hatte das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend das Programm „Männer in Kitas“ gestartet. 16 Träger von Kindertagesstätten in 13 Bundesländern riefen Modellprojekte unter anderem zu den Themen Berufsorientierung, Gender in der pädagogischen Arbeit sowie Väter und Elternarbeit ins Leben.

Zudem wurde 2010 eine Koordinationsstelle eingerichtet. Diese berät, informiert und fördert den Dialog zwischen Politik, Praxis und Forschung. Die Beratung ist montags von 17 bis 20 Uhr, mittwochs von 16 bis 20 Uhr und freitags von 10 bis 13 Uhr erreichbar:

0 30/ 5 01 01 09 39.

www.zukunftsberuf-erzieher.de

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