Kliniken auch im Jahr 2015 in schweren Gewässern

Die Universitätsmedizin Göttingen: Die Finanzierung bleibt ein Problem. Foto: Kopietz

Göttingen. Niedersachsens Krankenhäuser erhalten 2015 deutlich mehr Geld, wie Gesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD) ankündigt.

Mehr Geld wird so auch im größten Krankenhaus der Region, der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) ankommen - die Probleme aber bleiben, eine Lösung für Uni-Kliniken steht aus. Der Landesbasisfallwert nach dem Krankenhausleistungen abgerechnet werden, steigt nach zähen Verhandlungen zwischen der Krankenhausgesellschaft und den Verbänden der gesetzlichen Krankenkasse 2015 in Niedersachsen um 74,45 Euro auf 3190,81 Euro.

Das hilft den 166 allgemeinen Krankenhäusern im Land, von denen viele wirtschaftliche Probleme haben. Die Erhöhung der Vergütung ist aber nicht genug, um die roten Zahlen in den Griff zu bekommen, wie Sprecher der Krankenhausgesellschaft kritisieren. „Eigentlich reicht es nicht“, sagt Verbandsdirektor Helge Engelke. Denn Niedersachsens Krankenhäuser und Kliniken können bekommen für Leistungen zum Teil deutlich weniger, als in anderen Bundesländern.

Das könne eigentlich nicht sein, hatte UMG-Vorstand Prof. Dr. Heyo Kroemer in einem Interview gesagt. Dessen Vorstandskollege Dr. Sebastian Freytag registriert in einer Antwort auf eine HNA-Anfrage zwar die leichte Erhöhung zwar mit Freude, aber auch er weist daraufhin, dass die Finanzierungsleistungen auch 2015 zum Teil „noch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liegen“.

Dazu kommt laut Freytag, „dass die vielfältigen Sonderaufgaben und -leistungen universitärer Hochschulmedizin weiterhin unterfinanziert

Prof. Dr. Heyo Kroemer

Kroemer kämpft seit langem in Verhandlungen auch mit dem Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) für eine bundesweite Sonderfinanzierung der Medizinfakultäten und Uni-Kliniken. Ein fester Sockelbetrag aus einem Bundestopf sprang dabei aber auch 2015 - noch - nicht heraus. „Leider“, wie Sebastian Freitag sagt.

Seine Prognose für das Wirtschaftsjahr 2015 der Uni-Medizin in Deutschland ist deshalb ziemlich pessimistisch: „Die Finanzierungslücken für die Leistungen universitärer Medizin werden sich deshalb bundesweit und auch für die UMG weiter zuspitzen.“

Schon 2014 war für die Göttinger Uni-Medizin ein schwieriges Jahr, nachdem sie 2013 noch schwarze Zahlen geschrieben hatte - als eine von wenigen Uni-Kliniken in Deutschland. Für 2014 erwartet man ein Defizit.

Die von Ministerin Rundt so positiv bewertete überproportionale Erhöhung des Landesbasisfallwerts reicht deshalb nicht. Eine stärkere Erhöhung war aber nicht möglich, der maximale Anstieg sei, so Rundt, festgeschrieben.

Anfang Dezember 2014 hatten die Vertreter der niedersächsischen Krankenhäuser in Berlin etwa 10.000 gesammelte Unterschriften abgegeben. Der Verband forderte damit eine faire Finanzierung der Kliniken bundesweit. (tko/epd)

Hintergrund: Der Landesbasisfallwert

Die niedersächsische Klinikgesellschaft vertritt die Interessen von etwa 200 Kranken häusern im Land, mit einer Gesamtkapazität von 41.000 Betten, mehr als 90.000 Mitarbeitern, die jährlich etwa 1,8 Millionen Patienten betreuen.

Der Krankenhausverband Niedersachsen hatte 2014 gemeldet, dass etwa 60 bis 70 Prozent der Kliniken in Niedersachsen rote Zahlen schreiben. Niedersachsens Kliniken und Krankenhäuser werden finanziell denen in anderen Ländern teilweise schlechter gestellt. Der Landesbasisfallwert wurde aktuell zwar für 2015 angehoben und beträgt für Niedersachsen jetzt 3190,81 Euro. Hamburg und Bremen kommen aber auf die Beträge von 3209 und 3250,59 Euro, Rheinland-Pfalz auf 3396 Euro. (tko)

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