Universitätsmedizin rutschte ins Minus

Krankenhäuser in roten Zahlen: Weender Krankenhaus im Plus

Zukauf: Das evangelische Krankenhaus Weende investierte und übernahm 2014 das Krankenhaus Neu-Mariahilf. Foto: Kopietz

Göttingen. Niedersachsens Krankenhäuser haben weiter mit großen finanziellen Problemen zu kämpfen. Für das Geschäftsjahr 2015 erwartet ein Drittel der Krankenhäuser einen negativen Jahresabschluss, teilte die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft in Hannover mit. 2014 habe mehr als die Hälfte der 134 befragten Kliniken rote Zahlen geschrieben.

Ursache für die schlechte wirtschaftliche Lage sei die niedrige Pauschale, die die Kliniken in Niedersachsen für eine durchschnittliche Behandlung pro Patient erhalten. Der „Basisfallwert“ habe im Umfrage-Jahr deutlich unter dem Bundesdurchschnitt gelegen. Für medizinische und pflegerische Leistungen mussten die niedersächsischen Krankenhäuser 2014 mit rund 70 Millionen Euro weniger auskommen als Kliniken in anderen Bundesländern.

Das trifft im Besonderen für die Uni-Klinika in Deutschland zu. Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) als Maximalversorger mit vielen Abteilungen und Unterkliniken hat das Wirtschaftsjahr 2014 mit einem Verlust von 2,5 Millionen Euro abgeschlossen. Von 2010 bis 2013 hatte die UMG vier Jahre lang einen Überschuss erwirtschaftet. 2010 waren es 27,8 Millionen Euro gewesen, 2012 noch sechs Millionen und 2013 dann 2,9 Millionen Euro.

Für das Abschmelzen der Gewinnspannen verantwortlich sind laut UMG „die negativen Sondereffekte, die für universitäre Medizin ganz allgemein und deshalb auch für die UMG gelten“. Das seien die fehlende Refinanzierung für die Behandlung seltener Erkrankungen, die 24-Stunden-Notfallversorgung und die Intensivmedizin. Hinzu käme die Personalkostensteigerung nach Tariferhöhungen, die sich negativ im Ergebnis niedergeschlagen haben.

2015 erwartet der UMG-Vorstand einen „Verlust voraussichtlich im niedrigen einstelligen Millionenbetrag“. Genaue Zahlen seien noch nicht verfügbar, weil nicht von Wirtschaftsprüfern überprüft und frei gegeben, teilte der Vorstand unserer Zeitung mit.

Vorstandssprecher Prof. Heyo Kroemer fordert immer wieder, dass die Strukturen der Uni-Klinika-Finanzierung in Deutschland geändert werden müssten, eine neue Form der Basis-Finanzierung notwendig sei, um Defizite zu vermeiden.

Das Evangelische Krankenhaus Göttingen-Weende schrieb von 2010 bis inklusive 2014 durchweg schwarze Zahlen, „mit überdurchschnittlichen Überschüssen“, wie die Geschäftsführung mitteilte. Das habe den Kauf des Krankenhauses Neu-Mariahilf ermöglicht. Eine Prognose für 2015 wollte die Geschäftsführung noch nicht abgeben.

Leider wurden keine Euro-Summen genannt, sondern die Case-Mix-Punkte. Damit wird die Kostenstruktur eines Krankenhauses gespiegelt.

Die Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft vertritt rund 200 Kliniken in Niedersachsen mit etwa 41.000 Betten. Mehr als 90.000 Mitarbeiter in verschiedenen Berufen versorgen pro Jahr 1,8 Millionen Patienten. (tko/epd)

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