Kundgebung gegen Rassismus geplant

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DGB-Podiumsdiskussion über die NSU-Mordserie: Ayse Gülec von der „Initiative 6. April“ (rechts) und Moderatorin Agnieszka Zimkowska (Mitte). Links eine Aktivistin einer Kölner Initiative, die nicht genannt werden wollte.

Göttingen. In Göttingen ist für Montag, 19. Januar, eine Kundgebung geplant, um auf den NSU-Prozess und aktuelle rassistische Entwicklungen in der Gesellschaft hinzuweisen.

Grund: In einer Podiumsdiskussion des DGB Südniedersachsen über die Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) bemängelten Initiativen der migrantischen communities, dass frühzeitige Vermutungen, dass es sich um Taten mit rassistischen Hintergrund handele, nicht ernst genommen wurden.

Auf dem Podium der Göttinger Diskussion über das Thema „Ignorierter Widerstand“ saßen Vertreterinnen der Kölner Initiative „Kneipstraße ist überall“, die den Nagelbombenanschlag im Juni 2004 in Köln aufarbeitet. Die Initiative stellt große Bemühungen an, dass zum ersten Verhandlungstag des Nagelbombenanschlags am 20. Januar in München möglichst viele Leute zu einem Aktionstag vor das Gerichtsgebäude kommen.

Auf dem Podium saß auch Ayse Gülec von der Kasseler „Initiative 6. April“, die sich nach dem Mord an Halit Yozgat um die Gedenkarbeit bemüht.

Die Kritik: Außerhalb migrantischer communities haben die Ereignisse wenig Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Das läge auch daran, dass „die Logik der Ermittlungsbehörden durch die Feder der Journalisten geflossen sei“ und die Debatte durch Begriffe wie „Dönermorde“ stark negativ geprägt worden sei, waren sich die Aktivisten einig. Auch die kritische Öffentlichkeit habe Demonstrationen kaum wahrgenommen, sodass das Thema im halboffenen Raum geblieben und den Opfern keine Stimme gegeben worden sei. „Schon kurz nach den Morden haben viele Betroffene und Angehörige auf einen rassistischen Hintergrund hingewiesen. Sie wurden in diesem Anliegen von den Behörden aber nicht ernst genommen oder sogar selbst kriminalisiert“, erzählte eine Kölner Aktivistin.

Auch der aktuelle Prozess sei eine Enttäuschung, sagte Gülec: „Es ist an der Zeit einen Wirbel zu machen, weil die Skandalisierung des ganzen immer ausgeblieben ist und die Familien eine lückenlose Aufklärung verdient haben.“

Auch wenn in Göttingen kein Anschlag passiert ist, seien die Menschen trotzdem davon berührt und hätten ungeklärte Fragen, sagte DGB-Gewerkschaftssekretärin in Agnieszka Zimkowska vor den rund 80 Zuhörern. Für den 19. Januar ist eine Kundgebung am Gänseliesel geplant, um auf den NSU-Prozess und aktuelle rassistische Entwicklungen in der Gesellschaft hinzuweisen: „Für uns war wichtig, endlich gemeinsam mit dem Bündnis gegen Rechts auf die Straße zu gehen und zu sagen, dass wir rassistische Tendenzen wie bei Pegida, Kagida und ähnlichen hier keinen Platz geben, dass sie hier nicht geduldet werden und wir zusammen stehen.“ (zli)

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