Landratswahl-Nachlese: Ersetzt Zahlen-Rangliste den Stimmzettel?

Reuter redete zu lange: Es bedurfte mehrere Anläufe bis das Interview mit NDR-Reporterin Martina Thorausch am Sonntagabend im Göttinger Kreishaus im Kasten war, auch, weil Bernhard Reuter schwer zu stoppen war. Foto: Jelinek

Göttingen. Bernhard Reuter ist der erste Landrat des ab November fusionierten Landkreis Göttingen, der fast bis Kassel und zum Brocken reicht. Aber Reuter wurde nur von gut 30 Prozent der Stimmberechtigten gewählt.

Stichwahl: Muss das sein?

In Wahllokalen war zu hören, dass man über eine Änderung des Wahlverfahrens nachdenken sollte – auch bei Oberbürgermeisterwahlen, aus denen Göttingens Verwaltungschefs nur als Minderheitenwunsch hervorgehen.

Gedanken gemacht hat sich der Verein „Mehr Demokratie“ und schlägt eine „integrierte Stichwahl“ vor . Dabei können Wähler die Kandidaten auf dem Wahlzettel durchnummerieren: Der Lieblingskandidat bekommt eine „1“, der nachfolgende eine „2“ und so weiter. So entsteht laut „Mehr Demokratie“ eine klare Rangliste und ein Ergebnis im ersten Wahlgang. Erfahrungen in Irland oder Australien seien positiv.

Stichwahlen gibt es in Niedersachsen bei Bürgermeister- und Landratswahlen seit 1996, sie waren zwischenzeitlich kurz ausgesetzt worden. Am Wochenende waren 14 Stichwahlen notwendig geworden, es gab teils drastische Einbrüche bei der Wahlbeteiligung. Im Landkreis Göttingen wählten am Sonntag 82 547 von 267 698 Wahlberechtigten.

Verlierer gewinnt auch

Ludwig Theuvsen (CDU) holte 43,84 Prozent. Das reichte logischerweise nicht, um zu gewinnen. Gewonnen hat er dennoch: Sein Stimmenzuwachs im Vergleich zum Wahltag eins betrug 9,72 Prozent. Bernhard Reuter sammelte „nur“ einen Anteil von 7,51 Prozent mehr – trotz der Unterstützung der Grünen.

Osterode schwarz

Dort wo einst Bernhard Reuter bis 2011 Landrat war, in Osterode, gewann Ludwig Theuvsen das Duell denkbar knapp mit 50,28 Prozent zu 49,72. Ein Ergebnis, das Reuter nicht geschmeckt hat. Abhaken dürfte er dagegen die Klatschen in Duderstadt und Gieboldehausen, wo rot nie eine dominante Farbe war.

Hochburgen

Der Kreis ist also gespalten in Hochburgen, auf der Mehrzahl wehen rote Fahnen. Das Ergebnis aber in Göttingen freute den Wahlsieger besonders: „Ein überragendes Resultat“, sagte Reuter am Wahlabend. Aber: Nur 27 Prozent der Göttinger wählten überhaupt, davon 64 Prozent Reuter, also „nur“ gut 16 000. Ganz stark schnitt Reuter auch in Adelebsen (65,1), Bovenden (64,4) und Gleichen (63,2) ab. Am nächsten am Gesamtergebnis: Radolfshausen mit 53,9 zu 46,1 Prozent.

Grün-Rote Foto-Models

Im Netz sorgte ein Wahlkampf-Foto der Parteigrößen vom Samstag in Göttingen für Verwunderung: Thomas Oppermann (SPD) mit dem Grünen-Symbol Sonnenblume und daneben Jürgen Trittin (Grüne) mit den SPD-Blumen rote Rosen – beides strahlend vereint. Flehende Kommentare wie „Sagt, dass das nicht wahr ist, bitte!“, waren die Folge. Getwittert hatte das Foto: Jürgen Trittin.

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