Melina Schuh neue Direktorin am Max-Planck-Institut: Fehler in Eizellen auf der Spur

Neue Direktorin am Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie in Göttingen: Dr. Melina Schuh (35) stammt aus Bad Pyrmont, studierte Biochemie in Bayreuth, promovierte in Heidelberg und forschte zuletzt in Cambridge. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. Foto: Böttcher-Gajewski/MPI/nh

Göttingen. Das Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie in Göttingen hat Dr. Melina Schuh als Direktorin berufen.

Wie das MPI am Freitag mitteilte, wechselte die Biochemikerin zu Jahresbeginn mit ihrer Gruppe vom renommierten MRC Laboratory of Molecular Biology in Cambridge (England) an das Göttinger Institut. Dort wird sie in der neu eingerichteten Abteilung Meiose erforschen, wie sich befruchtungsfähige Eizellen in Säugetieren entwickeln. Darüber hinaus interessiert die Wissenschaftlerin, wie Fehler bei diesem Vorgang Fehlgeburten, Unfruchtbarkeit und Down-Syndrom verursachen. Mit ihrer Ernennung zur Direktorin hat das MPI für biophysikalische Chemie nun 13 Abteilungen.

„Unser Forschungsthema ist auch medizinisch von großer Relevanz, da Eizellen von Säugetieren und Menschen sehr häufig eine falsche Zahl von Chromosomen enthalten. Wissenschaftler bezeichnen diesen Defekt als Aneuploidie“, erklärt die neue Direktorin. Bevor eine Eizelle mit einer Samenzelle verschmelzen kann, muss sie ihren Chromosomensatz halbieren. Nur einer der beiden Chromosomensätze verbleibt in der reifen Eizelle, während der andere unter Bildung eines sogenannten Polkörpers aus dem Zellplasma ausgeschleust wird. Fehler bei diesem Prozess führen zu Eizellen mit überzähligen oder fehlenden Chromosomen. Werden diese befruchtet, stirbt der Embryo häufig ab oder zeigt Auffälligkeiten wie das Down- oder Klinefelter-Syndrom. Über viele Details bei der Chromosomen-Verteilung wissen Forscher bisher jedoch nur wenig.

Die Biochemikerin möchte mit ihrem Team aufklären, wie es bei der Chromosomen-Trennung zu Fehlern kommt und ob sich die Genauigkeit bei diesem Vorgang erhöhen lässt. Auch will die Wissenschaftlerin herausfinden, weshalb die Fruchtbarkeit der Frau mit dem Alter nachlässt: Ältere Frauen erleiden öfter eine Fehlgeburt und bringen häufiger ein Kind mit Chromosomen-Anomalien zur Welt.

„Es ist großartig, dass wir eine junge, engagierte und international anerkannte Wissenschaftlerin für unser Institut als Direktorin gewinnen und damit die Forschung auf dem Gebiet der organismischen Biologie verstärken konnten“, freut sich der Geschäftsführende Direktor des MPI für biophysikalische Chemie, Herbert Jäckle. (p)

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