Freigabe Richtung Kassel vermutlich am Abend - Arbeiten im Zeitplan

Nach Unfall: A7 Richtung Norden einspurig befahrbar

Göttingen. Gute Nachrichten am Sonntagmorgen: Nach dem A7-Unfall am Freitag bei Göttingen ist nach der Vollsperrung eine Spur in Fahrtrichtung Hannover wieder befahrbar.

Die A7 bei Göttingen ist in Fahrtrichtung Hannover wieder einspurig befahrbar. Das teilte die Göttinger Polizei am Sonntagmorgen mit. In Fahrtrichtung Süden bleibt die Sperrung weiterhin bestehen. Derzeit wird dort die Fahrbahn ausgebessert.

Nachdem in der Nacht zu Sonntag der Gefahrgut-Lkw geborgen wurde, der am Freitagmorgen verunglückt war, haben sich Fachleute zügig an eine Prüfung der Fahrbahndecke gemacht. Sie entschieden, zunächst eine Spur Richtung Hannover freizugeben.

Laut Polizei wird seit Sonntagvormittag die Fahrbahn Richtung Kassel abgefräst: Flüsterasphalt wird derzeit auf 2000 Quadratmeter Fläche abgetragen und wieder aufgefüllt. Die Arbeiten sollen am Abend beendet sein, sagte ein Sprecher der Göttinger Autobahnpolizei gegenüber der HNA. Nach einer Aushärtephase des Baustoffes, die etwa 12 Stunden dauern soll, hofft man, dass in den Abendstunden auch der Verkehr in Richtung Süden wieder rollen kann.

Mit der Öffnung einer Fahrspur Richtung Norden ist auch die Raststätte Göttingen-Ost wieder geöffnet. Wann wieder alle Fahrspuren zur Verfügung stehen, ist laut Polizei noch völlig unklar. 

Reparatur der A7 nach schwerem Lkw-Unfall

Prognosen waren am Samstag noch düster

Am Samstag sahen die Prognosen erst noch düsterer aus: "Ich kann da den Autofahrern keine Hoffnungen machen", hatte Polizeisprecher Joachim Lüther am Nachmittag gesagt. Die wichtige Nord-Süd-Achse A7 war bis Sonntagmorgen weiter in beide Richtungen gesperrt. 

Zeitaufwendige Bergung

Es ist einer der größten und langwierigsten Feuerwehreinsätze der vergangenen Jahre. Die Bergung der teils beschädigten Fässer mit Schädlingsbekämpfungsmitteln erwies sich am Samstag als schwierig und zeitaufwendig. Die Feuerwehrleute mussten mit speziellen Schutzanzügen arbeiten.

Aktualisiert am
Sonntag um
13.57 Uhr.

In der Freitagnacht und am Samstag waren die Einsatzkräfte damit beschäftigt, die achtzig Fässer zu bergen, die auf dem Lkw transportiert wurden. Nur sechs davon wurden beschädigt, sagt Einsatzleiter Martin Willing. Und genau diese bereiteten die Probleme: Denn das ausgetretene Granulat Aluminiumphospid, auch als Rattengift bekannt, reagiert sehr heftig mit Wasser. Kommt es zum Kontakt, entsteht das Gas Phosporwasserstoff, das hochgiftig und brennbar ist, wie Fachberater Eckhard Gerlitzki sagt. Und durch den Regen kam es daher an der Einsatzstelle immer wieder zu kleinen Bränden. Mit einem Radlader des Technischen Hilfswerkes wurden die beschädigten Fässer und das Granulat in eine Mulde gekippt und großflächig mit Sand abgedeckt, um ein Ausgasen und den Kontakt zu Wasser zu minimieren.

Fässer mit Gift abtransportiert

Um 17 Uhr am Samstag waren schließlich alle Fässer mit der giftigen Substanz von der Unfallstelle abtransportiert. Sie werden nun auf der Deponie Königsbühl in Göttingen-Weende zwischengelagert. Die Rundfunkdurchsagen zur Warnung der Bevölkerung wurden eingestellt.

Danach wurde der von der Polizei sichergestellte Lkw geborgen und dekontaminiert. Bernd Rathmann war mit seinem Bergungsunternehmen und einem Team von sieben Mitarbeitern vor Ort, um den Lkw aufzurichten und später abzutransportieren. "Die Bergung an sich dauert nur eine Stunde, aber das ganze Drumherum gestaltet sich langwierig", sagt der Firmenchef. am Samstag. Für ihn war es ein außergewöhnlicher Einsatz. Obwohl er schon seit über vierzig Jahren in dem Beruf arbeitet, hat er erst vier Gefahrstoffeinsätze dieser Größenordnung mitgemacht, erzählt er. "Als Chef bin ich natürlich aufgeregt und in Sorge um meine Leute."

Doch das Aufrichten des umgestürzten Lkw funktionierte. Ein Sachverständiger schaute ihn sich in der Nacht zu Sonntag an, um weitere Erkenntnisse über die Unfallursache zu erlangen. "Erst nach dem Abtransport können wir uns die Fahrbahndecke der Autobahn anschauen", sagt Polizeisprecher Lüther. "Dann entscheidet die Straßenbaubehörde, ob die Autobahn großflächig saniert werden muss oder teilweise wieder freigegeben werden kann."  Da der Lkw in Brand geraten war, muss der Asphalt möglicherweise erneuert werden.

Der Tag nach dem A7-Unfall: Bergungsarbeiten und Staus um Göttingen

Etliche Helfer vor Ort

Vor Ort waren und sind Kräfte von Feuerwehren aus dem gesamten Kreisgebiet von Göttingen. Sogar aus den Landkreisen Northeim, Osterode und Kassel kamen die Gefahrstoffzüge der Freiwilligen Feuerwehren, um die erschöpften Helfer abzulösen. Viele von ihnen gingen in schweren Schutzanzügen in die Gefahrenzone vor. Das Technische Hilfswerk mit den Ortsverbänden Einbeck, Northeim, Gieboldehausen, Göttingen, Hann. Münden und Clausthal-Zellerfeld rückte mit einem Radlader an, sorgte für die Beleuchtung und kümmerte sich um die Verpflegung. Verschiedene Rettungsorganisationen sind vor Ort. Zeitweise waren über 170 Kräfte an der Einsatzstelle am Arbeiten. Um diesen Großeinsatz zu koordinieren, wurde eine so genannte Technische Einsatzleitung eingerichtet, die in einer mobilen Einsatzleitstelle in einem Feuerwehr-Lkw arbeitet.

Staus auf der Autobahn

Info-Telefon:

Aufgrund des Unfalls auf der A7 wurde für die Bürger ein Infotelefon eingerichtet: 0551/491-2142 oder -2143.

Zum Start in die Weihnachtsferien am Freitag staute sich der Verkehr auf der Umleitungsstrecke über die Autobahnabfahrt Göttingen-Nord und die A38 bei Friedland auf etlichen Kilometern. Fernreisenden empfahl die Polizei, den blockierten Autobahnabschnitt weiträumig zu umfahren. Auch größere Umwege könnten sich zeitlich lohnen, da auf der Umleitungsstrecke durch Göttingen mit stundenlangen Verzögerungen zu rechnen sei, sagte Polizeisprecher Joachim Lüther. Der Abschnitt sei ein Nadelöhr ohne naheliegende Ausweichroute.

Der Sattelzug hatte am Freitag aus noch unbekanntem Grund die Mittelleitplanke durchbrochen. Der Transporter geriet auf die Gegenfahrbahn, kippte um und fing Feuer. Ein 25-jähriger Fahrer aus dem Eichsfeldkreis, der mit seinem Auto in die Unfallstelle hineinfuhr, kam in den Trümmern ums Leben. Seine Beifahrerin erlitt schwere Verletzungen, der Lastwagenfahrer kam ebenfalls schwer verletzt ins Krankenhaus.

Gefahrgutunfall auf der A7 am Freitag

Verkehrschaos in Göttingen blieb am Samstag aus

In Göttingen herrschten am Freitag wegen der Umleitungen starke Verkehrsbehinderungen: Der Verkehr staute sich immer wieder auf allen Umleitungen, den Ab- und Zufahrten zur A 7 und beinahe in der gesamten Innenstadt. Am Samstag war die Situation auf den Straßen in und um Göttingen nicht so schlimm wie am Freitag. In der Stadt selbst kam es nur auf wenigen Straßen zu Verkehrsbehinderungen.

Zu Verkehrsstaus auf den Umleitungsstrecken kam es auch am Sonntag nicht. Viele Autofahrer seien laut Polizei über die intensive, bundesweite Medienberichterstattung offensichtlich gut vorbereitet.

(ysr/jbg/tko/dpa)

Umleitungsempfehlungen:

In Richtung Süden ab der Anschlussstelle Göttingen-Nord über die Umleitungen U72 und U74. In Richtung Norden ab Dreieck Drammetal über die U99 und U5.

Weiträumigere Umleitungsempfehlungen: In Fahrtrichtung Nord (Hannover) wird eine weiträumige Umleitung über die A44 Kassel-Süd, A33 Wünnenberg-Haaren, A2 Bielefeld und A7 Hannover-Nord empfohlen. In Fahrtrichtung Süden genau umgekehrt.

Hintergrund

Rattenbekämpfungsmittel Aluminiumphosphid

Das kristalline Aluminiumphosphid (chemische Formel: AlP) wird für die Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Es bildet bei Kontakt mit Wasser entzündlichen und hochgiftigen Phosphorwasserstoff, heißt es im Online-Lexikon Wikipedia.

Der Stoff wird als Begasungsmittel gegen Nagetiere (zum Beispiel Ratten) eingesetzt. In den unterirdischen Gängen bildet sich mit der Feuchtigkeit der Erde das Atemgift Phosphorwasserstoff.

Der Aluminiumphosphid kann durch das Zusammenschmelzen von rotem Phosphor mit Aluminium gewonnen werden. (bsc)

Video: Unfall mit Gefahrguttransporter auf A7 am Freitag

Hier ist der Unfall-Ort:


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