Strategien für Behandlungsmöglichkeiten entdeckt

Kampf gegen Aids: Göttinger Forscher wecken neue Hoffnung

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Rhesus-Affen am Deutschen Primatenzentrum in Göttingen: Bei ihnen wurde die Strategie im Kampf gegen Aids getestet.

Göttingen. Gibt es bald eine neue Behandlung gegen Aids? Ein internationales Forscherteam hat mit Göttinger Beteiligung eine Strategie gegen das HIV-ähnliche SIV-Virus bei Rhesusaffen entdeckt.

Millionen sind infiziert

Etwa 36 Millionen Menschen sind laut Weltgesundheitsorganisation insgesamt mit HIV infiziert. Ein Heilmittel gegen die tödliche Virusinfektion ist bislang noch nicht entdeckt. Nun hat ein internationales Forscherteam, an dem auch Wissenschaftler des Deutschen Primatenzentrums (DPZ), Leibniz-Institut für Primatenforschung in Göttingen, beteiligt waren, eine neue Behandlungsstrategie gegen das mit HIV verwandte „Simiane Immundefizienz-Virus“ (SIV) entwickelt.

Antivirales Medikament

SI-Viren infizieren verschiedene Affenarten und gelten als Ursprung des menschlichen Immunschwächevirus. In der Studie wurden mit SI-Viren infizierte Rhesusaffen 90 Tage mit einem antiviralen Medikament behandelt und zusätzlich 23 Wochen einer Therapie mit einem speziellen Antikörper unterzogen.

Fast keine Viren im Blut

Nach Ablauf der Therapie konnten nahezu keine SI-Viren mehr im Blut und im Darmgewebe der Tiere nachgewiesen werden. Die für die Immunabwehr wichtigen „CD4+-T-Zellen“ waren hingegen in ausreichender Menge in diesen Geweben vorhanden. Seit nunmehr zwei Jahren nach Ende der Behandlung blieb die Viruslast niedrig, das Immunsystem intakt und die Rhesusaffen gesund. Die Behandlungsstrategie bietet damit einen neuen, vielversprechenden Ansatz zur Therapie von HIV-Infektionen beim Menschen.

Behandlung

Die antiretrovirale Therapie ist derzeit die am häufigsten eingesetzte Behandlung bei HIV-Infektionen. Die Medikamente blockieren wirksam die Vermehrung der HI-Viren in den befallenen Zellen und verzögern so den Ausbruch der Krankheit. Allerdings müssen diese Tabletten ein Leben lang eingenommen werden, da ihr Absetzen sofort zu einer erneuten Zunahme an Viren im Körper führen würde.

Nebenwirkungen

Ihre ständige Einnahme geht jedoch mit Nebenwirkungen wie chronischen Entzündungen, Vergiftungserscheinungen und beschleunigter Alterung einher.

Neuer Ansatz

„Ziel der Studie war es, einen neuen Therapieansatz zur Behandlung von Infektionen mit Immundefizienz-Viren zu finden, der auch nach nur vorübergehender Anwendung die Vermehrung der Viren dauerhaft verhindert“, sagt Prof. Dr. Lutz Walter, Leiter der Abteilung Primatengenetik am Deutschen Primatenzentrum und Mitautor der Veröffentlichung.

Viele Beteiligte

Die Studie wurde in den USA unter Federführung von Wissenschaftlern der Emory University School of Medicine in Atlanta und des National Institutes of Health (NIH) in Bethesda durchgeführt.

Genetische Untersuchungen

Vom DPZ waren neben Lutz Walter noch Christian Roos und Angela Noll an der Studie beteiligt. Die Experten auf dem Gebiet der Primatengenetik untersuchten in der Studie die genetische Ausstattung der Rhesusaffen.

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