Göttinger Wissenschaftler auf der Suche

Wo ist Roboter Philae?

Vor der Hüpflandung: Die geringe Gravitation auf dem Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko und nicht funktionierende Harpunenfüße sowie eine Düse sorgten wohl dafür, dass die Landeeinheit Philae der Raumsonde Rosetta mehrmals Bodenkontakt hatte. Auf Fotos ist nicht zu sehen, wo Philae gelandet ist. Momentan sind die Batterien leer. Der Roboter wartet auf Sonnenlicht zum Aufladen. Fotomontage: ESA/nh

Göttingen. Es war ein Jahrhundertereignis für die Wissenschaft: Im November landete der Roboter „Philae“ der Raumsonde „Rosetta“ auf dem Kometen "Tschuri" – 500 Millionen Kilometer von der Erde entfernt.

Sieben Jahre dauerte die Reise bis dahin, sieben Milliarden Kilometer  legte Rosetta durch unser Sonnensystem zurück.

Sieben Wochen nach dem Absetzen des Landers kennt aber noch immer niemand Philaes genaue Position. Er startete zwar die Versuche und Messungen, sendete die Daten zur Erde, aber die Wissenschaflter dort wussten und wissen noch immer nicht genau, wo Philae steht.

Klar ist: Der Lander machte eine Hüpflandung wie ein Dreispringer und kam erst nach mehreren Bodenkontakten auf dem Kometen zum Stehen – vermutlich in einer Felsschlucht an einem Kraterrand, und im Sonnenschatten.

„Wir haben den Lander immer noch nicht entdeckt“, sagt auch Holger Sierks vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen. Sierks ist wissenschaftlicher Leiter des Kamerasystems Osiris, das auf dem Orbiter Rosetta installiert ist.

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Die Kamera hat kürzlich aus 20 Kilometern Entfernung weitere Aufnahmen des Areals gemacht, in dem die Forscher den gerade mal kühlschrankgroßen, dreibeinigen Roboter „Philae“ vermuten. „Leider konnten wir nichts von dem Lander sehen. Das wäre sonst eine schöne Bescherung gewesen“, berichtet Sierks.

Eigentlich hatten sich die Wissenschaftler gewünscht, dass Philae an einem hellen Flecken auf dem Kometen, der die Form einer Spielzeugente hat und was niemand erwartet hatte, zum Stehen kommen würde. Denn Sonnenlicht ist wichtig, um mittels Solarzellen die Batterien wieder aufladen zu können.

Bevor sich der Roboter abschaltete, hatte er zahlreiche Daten von dem Kometen geliefert, die ausgewertet werden. Man weiß bereits, dass der eiskalte „Tschuri“ (minus 170 Grad Celsius) aus viel Eis und harten Materialien besteht, obenauf liegt eine handtiefe Staubschicht.

Die Wissenschaftler müssen nun warten, bis sich der Komet soweit der Sonne genähert hat, dass die Solarzellen des Labors mehr Strahlen abbekommen.

Gespannt auf weitere Ergebnisse: Holger Sierks vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen, verantwortlich für die Kamera der Rosetta-Sonde. Foto: Niemann

Könnte Philae wieder auftanken, dann wären auch weitere sensationelle Messungen möglich: Denn das durchs All rasende Quietsche-Entchen „Tschuri“ wird wegen der Nähe zur Sonne zum aktiven Komet inklusive Schweif. Und Philae ist bei diesem heißen Ritt dabei, der „Tschuri“ im August so nah wie möglich auf seiner Bahn an die Sonne heranführen wird. Auch im Göttinger MPS hoffen die Forscher deshalb, dass Philae bis Mai wieder genug Saft für weitere Messungen haben wird.

Die Rosetta-Mission wird auch 2015 eines „der“ Wissenschaftsthemen sein. Die Bilder des jubelnden italienischen ESA-Projektleiters Andrea Accomazzo jedenfalls werden in den Köpfen vieler TV-Zuschauer und Forscher bleiben – für immer. Bleiben wird auch Philae – an seinem unbekannten Platz auf „Tschuri“ – und mit dem fünf Kilometer großen Kometen-Entchen weiter durchs Sonnensystem sausen – bis auf unbestimmte Zeit.

Von Heidi Niemann und Thomas Kopietz

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