Polizei: Gewalt gegen Beamte in Südniedersachsen nimmt zu

Gewalt gegen Polizisten: Dieses Problem beschäftigt die Göttinger Behördenleitung immer mehr. Foto: dpa

Göttingen. Die Gewalt gegen Polizisten nimmt zu. Der Trend ist aus Sicht der Göttinger Polizeiführung besorgniserregend. Die Beamten müssen sich außerdem mit neuen Kriminalitätsformen aus dem Internet befassen.

Die Beamten werden deutlich öfter als härter angegriffen, heißt es aus der Behördenführung. Die Zahl der Körperverletzungen gegen Beamte im Bereich der Polizeidirektion Göttingen gegen Beamte wuchs stieg von 103 im Jahr 2014 auf 118 im vergangenen Jahr. Dabei blieb die Gesamtzahl der Gewaltdelikte gegen Polizeibeamte mit etwa 335 gleich.

Gefährliche Situationen entstehen für Polizeibeamte nicht nur bei größeren Einsätzen wie Demonstrationen, Razzien oder Fußballspielen, sagt die Behördenleitung. „Vielmehr eskalieren vermeintlich normale Einsätze im Verlauf von Ruhestörungen, Familienstreitigkeiten oder bei Kontrollen“, sagt Polizei-Vizepräsident Bernd Wesendorf. „Insgesamt spiegelt sich in jedem einzelnen Delikt mangelnder Respekt gegenüber staatlichen Amtsträgern wider.“

Die Polizei reagiert auf die Entwicklung unter anderem mit speziellen Trainings. Dabei werden die Beamten auf bestimmte Situationen vorbereitet, damit sie im Ernstfall besser reagieren können.

Immer öfter müssen Beamte auch im Internet ermitteln. Deshalb wurde vor einiger Zeit die Ermittlungseinheit „Cybercrime“ eingerichtet und wurde inzwischen auf acht Mitarbeiter verstärkt. Sie bekommen in den nächsten Monaten weitere Unterstützung, denn ein Informatiker soll sein spezielles Fachwissen in die Abteilung der Polizei einbringen. 80 Prozent der 624 Ermittlungsverfahren flossen nicht in die Statistik ein, weil der Tatort außerhalb Deutschlands lag. Die Straftaten liefen in diesen Fällen über Computersysteme im Ausland. Zudem gab es im vergangenen Jahr in der Region 772 Straftaten, zum Beispiel Betrugsdelikte, bei denen das Internet genutzt wurde.

Der Gesetzgeber hat auf die ständig neuen Ideen der Täter reagiert und neue Straftaten ins Gesetzbuch aufgenommen. So ist seit Ende vergangenen Jahres das Abfangen von Daten oder das Vorbereiten des Ausspähens von Daten strafbar.

Künstliche Droge MDPV: Ermittlungsgruppe ist im Einsatz

Die künstlich hergestellte Droge MDPV (Methylendioxypyrovaleron), die vorwiegend im Göttinger Stadtgebiet konsumiert wird, macht der Polizei weiterhin zu schaffen.

Die Zahl der Fälle, in denen es um diese Droge ging, stieg von 120 im Jahr 2014 auf 221 im vergangenen Jahr. Die Beamten gehen davon aus, dass inzwischen 200 bis 250 Personen in Göttingen MDPV konsumieren. Viele frühere Heroin-Konsumenten stiegen auf diese Substanz um. Die Polizei hat eine spezielle sechsköpfige Ermittlungsgruppe eingerichtet. Folge: Die Zahl der Verfahren stieg. Außerdem gab es Haftbefehle. Andere Betroffene wurden in Kliniken untergebracht.

Nach Angaben der Göttinger Polizeibeamten haben MDPV-Konsumenten massive Stimmungsschwankungen und zeigen ein dadurch ausgelöstes, zeitweise höchst aggressives, völlig unberechenbares Verhalten. Mehrfach kam es bereits zu schweren Körperverletzungen und zum Widerstand gegen Polizeibeamte.

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