Polizei will Stellen reduzieren: Streit um Kontaktbeamte in Göttingen

Göttingen. In Göttingen ist ein Streit um die Kontaktbereichsbeamten entbrannt. Die Polizei will ihre Zahl von neun in Stadt und Landkreis Göttingen auf drei, davon zwei in der Uni-Stadt, reduzieren. Dagegen regt sich Widerstand.

Die Kontaktbereichsbeamten sind für viele Einwohner in den Stadtteilen und Städten zu wichtigen Ansprechpartnern geworden. Von den derzeit neun Kontaktbeamten arbeiten sieben in der Uni-Stadt und jeweils einer in Duderstadt und Hann. Münden. Hintergrund für die Stellenstreichung ist eine umfassende Organisationsuntersuchung, deren Ergebnisse in den nächsten Jahren umgesetzt werden soll, sagt die Göttinger Polizeiführung auf Anfrage.

Neustrukturierung

Im Zentrum stehe eine Stärkung der „Interventionsfähigkeit der Einsatz- und Streifendienste“, so die Spitzenbeamten. Die Neustrukturierung soll im Zuge von Pensionierungen aktueller Kontaktbereichsbeamter umgesetzt werden.

„Die Kontaktbereichsbeamten genießen einen hohen Stellenwert“, räumt die Göttinger Polizeiführung ein. Allerdings gibt es eine neue Berechnungsgrundlage: Künftig sollen auf einen Kontaktbereichsbeamten 75 000 Einwohner kommen, hat eine Projektgruppe auf Behördenebene errechnet.

Mit der Reduzierung der Kontaktbeamten über einen Zeitraum von fünf Jahren reagiere die Polizei auf die aktuellen Entwicklungen wie dem Terrorismus und dem Islamismus sowie neuen Kriminalitätsphänomenen wie Cybercrime, also Kriminalität im Internet.

„Dieses Vorgehen ist genau überlegt und alternativlos“, heißt es aus der Führungsetage. Und Göttingens Polizeipräsident Uwe Lührig macht deutlich: „Wir werden durch die geänderten Rahmenbedingungen und eine nachhaltige Stärkung des Einsatz- und Streifendiensts noch schneller und effektiver arbeiten können. Das wird positive Effekte auf das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung mit sich bringen. Die Bürgerinnen und Bürger werden davon profitieren.“ Und Thomas Rath, Leitender Polizeidirektor und Chef der Polizeiinspektion Göttingen, ergänzt: „Da zeitnah eine personelle Verstärkung der Polizei insgesamt kaum zu erwarten ist, sind wir deshalb leider gezwungen an einigen Stellen, wie auch den Kontaktbereichsbeamten, die notwendigen Verstärkungen für die Streifendienste sicherzustellen.“

Ratspolitiker reagieren

Gegen diese Pläne der Polizei regt sich nun Widerstand aus der Göttinger Ratspolitik. Marcel Pache, stellvertretender Vorsitzender der CDU/FDP-Ratsgruppe, sagt: „Nach meinem Verständnis ist ein Kontaktbeamter nicht nur ein freundlicher Schülerlotse, der für die halbe Großstadt zuständig ist. Vielmehr ist er ein Polizeibeamter, der regelmäßig und in überschaubaren Stadtbezirken unterwegs ist, Missstände direkt registriert, viele Menschen persönlich kennt und vor allem beratend und helfend tätig ist für alle Altersgruppen vom Kinder- bis zum Seniorenalter.“

Ortsrat Grone: Resolution für Erhalt der Stellen

Eine einstimmige Resolution für den Erhalt der Stellen von Kontaktbereichsbeamten kommt vom Ortsrat Grone.

Der Ortsrat fürchtet, dass dieser Göttinger Stadtteil bei der Reduzierung der Kontaktbeamten unter den Tisch fällt. „Unser Kontaktbereichsbeamter Hans-Joachim Meyer leistet wunderbare Arbeit. Er ist Ansprechpartner für Kinder, Jugendliche und Ältere. Er ist Freund und Helfer“, zollte Ortsbürgermeisterin Birgit Sterr dem 57-Jährigen öffentlich ein ganz dickes Lob. (zhp)

Hintergrund: Ansprechpartner für die Bürger

Die Kontaktbereichsbeamten (KOB) gehören zur Schutzpolizei und leisten, meist uniformierten, Streifendienst zu Fuß oder mit einem Streifenwagen und allein im Tagesdienst.

Jeder KOB ist für ein bestimmtes Gebiet zuständig, das er in der Regel über Jahre hinweg betreut und gut kennt. Der KOB-Dienst wurde erstmals in den 1970er Jahren in Berlin eingeführt. Die Aufgabe des KOB besteht vor allem darin, Ansprechpartner für Bürger bei Problemen zu sein. (bsc)

Rubriklistenbild: © dpa

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