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Rosdorfer soll Anleger um 1,1 Millionen Euro geprellt haben

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Von: Heidi Niemann

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Gebäude: Vor dem Landgericht Göttingen muss sich ein 53-Jähriger wegen Betrugs in 73 Fällen verantworten. Foto:
Vor dem Landgericht Göttingen muss sich ein 53-Jähriger wegen Betrugs in 73 Fällen verantworten.

Göttingen. Ein 53-jähriger Betriebskaufmann aus Rosdorf (Kreis Göttingen) muss sich seit Mittwoch wegen gewerbsmäßigen Betruges in 73 Fällen vor dem Landgericht Göttingen verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, von 2006 bis 2009 Anleger um rund 1,1 Millionen Euro geprellt zu haben.

Der 53-Jährige hatte den Mitgliedern eines von ihm gegründeten Wirtschaftsclubs für angeblich risikolose Finanzgeschäfte und clubinterne Darlehen einen Jahreszins von neun Prozent zugesagt. Die Clubmitglieder hatten ihm teilweise mehr als 100.000 Euro anvertraut. Die höchste Gesamtsumme kam von einer Anlegerin, mit der er sieben Darlehensverträge über zusammen 170.000 Euro abgeschlossen hatte.

Laut Anklage war der 53-jährige Gründer und Vorsitzender des privaten Wirtschaftsclubs „GVW“. Das Kürzel sollte für „Geld, Vermögen, Wissen“ stehen. Mit dem von ihm initiierten Club habe er ein selbstkonzipiertes Kapitalanlagesystem namens „9%-Liga“ betrieben. Das eingesetzte Kapital sollte durch Anlagestrategien vermehrt werden. Jeder Anleger sollte jährlich neun Prozent Zinsen ausgezahlt bekommen.

Tatsächlich, so der Vorwurf der Strafverfolgungsbehörde, habe der Angeklagte nur einen Teil des Geldes an der Börse angelegt, stattdessen die Darlehensbeiträge der Clubmitglieder für den eigenen Lebensunterhalt verbraucht.

Laut Anklage beruhte die „9%-Liga“ zudem auf dem Schneeballsystem: Der 53-Jährige habe neu eingeworbenes Geld dafür verwendet, die fälligen Zinsen auf die alten Darlehensverträge auszuzahlen, sagte die Staatsanwältin. Ihm sei bereits bei Abschluss der Darlehensverträge bewusst gewesen, dass er nicht in der Lage sein würde, die Darlehen bei Fälligkeit zurückzuzahlen.

Zu Beginn der Verhandlung einigten sich die Beteiligten auf eine verfahrensverkürzende Absprache. Demnach würde das Gericht im Falle eines Geständnisses die ersten 25 Verfahren einstellen. Für die restlichen angeklagten Taten stellte es eine Höchststrafe von zwei Jahren in Aussicht, die gegen eine Geldauflage von 30.000 Euro zur Bewährung ausgesetzt würde.

In einer von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung machte der 53-Jährige geltend, dass bis Februar 2007 die Renditeerwartungen erfüllbar gewesen seien. Damals habe er durch den Ankauf von Edelmetallen Gewinne erwirtschaftet. Erst danach seien nicht mehr genügend Mittel vorhanden gewesen, um das eingesetzte Kapital zurückzuzahlen. Dass das System in Schieflage gerät, habe auch an einigen Clubmitgliedern gelegen. Diese hätten die eingebrachten Darlehen genutzt, um eigene Unternehmungen zu finanzieren. Später seien sie in Insolvenz gegangen oder hätten sich im Ausland versteckt, insgesamt seien sie mehr als 500.000 Euro schuldig geblieben. Er sei weder für die Verluste noch für die Taten allein verantwortlich.

Auch die Anleger trifft nach Ansicht des Verteidigers eine Mitverantwortung.

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