Spektakuläres Ende einer Reise über hundert Millionen Kilometer

Rosetta landet am Freitag auf „Tschuri“: Was kommt danach?

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Da ist Philae: Am Freitag endet die Rosetta-Mission, wenn die Sonde ebenfalls auf dem Kometen „Tschuri“ landen wird. Harald Krüger arbeitet am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen an der Rosetta-Mission.

Göttingen. Am Freitag steht Rosetta noch einmal im Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit. Die Muttersonde wird nach Philae ebenfalls auf dem Kometen 67P/Churjumov-Gerasimenko landen.

Es ist das spektakuläre Ende einer Reise über viele hundert Millionen Kilometer, die unglaubliche und unerwartete Ergebnisse in Form von Fotos und Daten brachte.

Vor dem imposanten Gebäude des Max-Planck-Institutes für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen steht unscheinbar an der Seite ein Modell der Raumsonde Rosetta mitsamt dem Landegerät Philae und etwa zehn Meter langen Sonnensegeln.

Wir sprachen darüber mit Dr. Harald Krüger, der am MPS für das Projekt arbeitet.

Herr Krüger am Freitag gegen 13 Uhr soll auch die Raumsonde Rosetta auf dem Komet „Tschuri“ landen. Sind Sie nervös?

Harald Krüger: Nein. Bei der Landung von Philae war die Anspannung groß. Es war ja das erste Mal, dass ein Landegerät mit Messinstrumenten auf einem Kometen abgesetzt wurde. Das war einmalig, eine sensationelle Aktion. Jetzt ist es eben das zweite Mal.

Was macht die zunächst nicht geplante Landeaktion dennoch interessant? 

Krüger: Vor allem, dass das bei uns im Max-Planck-Institut entwickelte und hier betreute Kamerasystem Osiris Fotos aus nächster Nähe machen wird. Darauf sind wir gespannt und hoffen, dass wir so Fotos von einer großen Pixeldichte bekommen, neue Einzelheiten erkennen können.

Sie arbeiten seit 13 Jahren an dem Rosetta-Projekt. Was hat sich verändert, was ist heute anders als damals? 

Krüger: Nun, das ist gar nicht so einfach zu sagen. Vielleicht, dass einiges ganz anders gekommen ist als erwartet. Die größte Überraschung ist die Form von „Tschuri“, der wie eine Hantel oder ein Quietsche-Entchen aussieht, und aus zwei Teilen entstanden sein könnte. Das ist schon sehr besonders.

Was ist noch überraschend? 

Krüger: Die Vielfalt der Zusammensetzung des Kometen sowie die Landschaft, die ja teilweise erdähnlich wie in Gebirgen oder Geröllwüsten ist. Wir hatten schon erwartet, dass der Körper zu großen Teilen aus Eis besteht. Aber nicht, dass so dicke Staubschichten vorhanden sind, ebenfalls sehr unterschiedliche Zonen mit verschiedenen Gasverteilungen und -konzentrationen. Das ist der Form des Kometen und unterschiedlicher Gravitation geschuldet.

Wie lange werden Tschuri und die Messdaten die Wissenschaftler noch beschäftigen? 

Krüger: Noch mindestens zehn Jahre. Es werden neue Ergebnisse vorhandene ergänzen und helfen, die Beobachtungen zu erklären. So wurden wiederholt Explosion auf der Oberfläche fotografiert und die von allen zehn Messgeräten aufgezeichnet. Mit der Auswertung dieser Daten stehen wir erst am Anfang.

Welche Folgen hat das Ende der Mission für das MPS? 

Krüger: Generell laufen Ende des Jahres befristete Verträge, die an das Projekt gekoppelt waren, aus - auch bei uns. Es kommt zum Personalabbau im Rosetta-Projekt.

Sind in den nächsten Jahren weitere Kometenmissionen geplant? 

Krüger: Die US-Weltraumorganisation NASA und die japanische Weltraumbehörde JAXA haben Missionen zu Asteroiden gestartetNach Rosetta ist nichts dergleichen zu Kometen vorgesehen. Es werden sicher 20 Jahre vergehen, bis wieder etwas Großes gestartet werden könnte. Es wäre spannend, Kometenmaterial eingefroren auf die Erde zu bringen. Das ist ein Traum.

Zur Person

Dr. Harald Krüger, geboren 1963 in Delmenhorst, arbeitet am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen. Er studierte Physik und Astronomie in Göttingen und Edinburgh (Schottland). Es folgte die Promotion an der Uni-Sternwarte in Göttingen, die Habilitation in Astronomie an der Uni-Heidelberg, wo er auch bis 1996 drei Jahre am MPI für Astronomie arbeitete. 1996 bis 2004 MPI für Kernphysik in Heidelberg. Weltraumprojekte: Jupitermission Galileo der NASA, Interplanetare Mission Ulysses der ESA/NASA. Er ist seit Beginn der Rosetta-Mission in die Arbeit eingebunden. Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit sind die Erforschung von Kometen und von kosmischem Staub. Krüger lehrt auch an der Universität Göttingen. Krüger ist ledig und hat keine Kinder. Hobbies: Fotografieren, Radfahren, Skilanglaufen, Tanzen, Reisen. (tko)

Ab 10 Uhr: Präsentation im Institut

Im Göttinger Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, Uni-Nordbereich, Justus-von-Liebig-Weg 3, gibt es am Freitag eine öffentliche Veranstaltung mit einem umfassenden Programm: Beginn ist um 10 Uhr im Hörsaal mit Vorträgen zur Rosetta-Mission. Ab etwa 11 Uhr ist eine Live-Übertragung in die Kommandozentrale der ESA in Darmstadt geplant. Die Landung ist in etwa für 13 Uhr vorgesehen, so dass die letzten Bilder und Messdaten von Rosetta aufgrund der Signallaufzeit voraussichtlich bis 13:40 Uhr MESZ zur Erde übertragen sein werden. Bis 16 Uhr gibt es dann noch Interviews mit Kollegen aus der Zentrale.

In der Halle des MPS sind fantastische, großformatige Fotos vom Kometen 67P und Modelle zu sehen.

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