Als Widerstand gegen Wegfall ihrer Klassenfahrten

Schüler in Südniedersachsen boykottierten aus Protest Mathearbeit

Protest auch am Hainberg-Gymnasium: Schüler aus fünf Klassen verweigerten die Teilnahme an einem Mathematik-Vergleichstest. Sie protestierten damit gegen die Mehrarbeit für Gymnasiallehrer und deren Weigerung, Klassenfahrten zu begleiten. Foto: Kopietz

Göttingen/Hann. Münden. Schüler der achten Klassen von Gymnasien in Göttingen und Hann. Münden haben am Donnerstag den Vergleichstest in Mathematik „VERA-8" boykottiert.

Damit wollten sie gegen eine Überlastung ihrer Lehrer und den durch eine Weigerung der Lehrer resultierenden Wegfall von Klassenfahrten protestieren. Das Kultusministerium hatte die Arbeitszeit der Lehrer zuvor um eine Unterrichtsstunde aufgestockt, wodurch an vielen Schulen Klassenfahrten gestrichen worden waren.

Am Göttinger Max-Planck-Gymnasium (MPG) habe sich der größere Teil der Schüler dem Boykott angeschlossen, sagt Schulleiter Dr. Wolfgang Schimpf. Er ist von der Aktion überzeugt: „Das ist durchaus eine intelligente Idee, weil die Schüler ein Signal setzen in Richtung Politik, um Lehrkräfte zu entlasten.“ Außerdem habe der Vergleichstest nicht den Stellenwert, dass ein Boykott weitreichende Folgen hätte. „Da wird in ziviler Form demokratische Mitbestimmung erprobt. Ich hoffe, dass die Landesregierung sich bewegt“. Schimpf ist Vorsitzender der Niedersächsichen Direktorenvereinigung und kritisiert vehement die Mehrbelastung der Gymnasiallehrer.

Auch am Hainberg Gymnasium (HG) weigerten sich vier von fünf Klassen. Schulleiter Georg Bartelt ist unsicher, was er davon halten soll. „Auf der einen Seite verurteile ich den Boykott. Tests sind ja sinnvoll. Auf der anderen Seite habe ich Verständnis dafür.“ Die Lehrer hätten den Boykott zu erst nicht akzeptieren wollen. „Wir haben die Lehrer dann zu Mäßigung aufgerufen“.

Am Grotefend-Gymnasium in Hann. Münden habe im Prinzip kein Boykott stattgefunden, sagt Schulleiterin Heidrun Korsch. Fünf Schüler von fünf Klassen hätten sich geweigert. „Schüler müssen zwar ein Recht auf Protest haben, aber ich glaube, dies ist der falsche Weg.“ Ich habe auch nicht den Eindruck, dass das Ministerium bereit ist, einzulenken.“

Groß war der Protest am Göttinger Felix-Klein-Gymnasium (FKG). Von 132 Schülern schrieben acht den Test. Die stellvertretende Schulleiterin Ute Holle findet den Protest richtig: „Ich finde es ok, denn die Schüler setzen damit ein Zeichen. Und offiziell könne man auch nichts dagegen tun. „Wenn die Schüler den Test nicht schreiben wollen, schreiben sie ihn nicht“.

Bei der Landesschulbehörde ist der Boykott bekannt. Die Sprecherin Susanne Strätz, sagte: „Wir haben von einzelnen Schulen aus Göttingen und Lüneburg gehört, dass es Weigerungen gegeben haben soll.“ Die Schulen seien aber nicht gezwungen, das mitzuteilen. In diesem Fall sei das Kultusministerium zuständig.

Aufgerufen zu dem Boykott hatte der Landesschülerrat Niedersachsen, der am Freitag nicht zu erreichen war. Möglich war der Protest, weil es sich bei dem VERA-8-Test um eine Vergleichsarbeit handelt, die von der Uni Koblenz-Landau ausgewertet wird. E war eine Konsequenz aus dem schlechten Abschneiden deutscher Schüler in der PISA-Studie im Jahr 2000.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.