Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum ist groß

Semesterstart an der Uni Göttingen: Mangelware Wohnraum

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Die Wohnungsnot in Göttingen ist auch für sie ein Thema: (von links) Anett Reyer-Günther, Pressesprecherin Studentenwerk Göttingen, und Erstsemesterstudierende Vanessa Rempel.

Göttingen. Über 1000 Studierende sind zum Beginn des Wintersemesters an der Uni Göttingen noch auf Wohnungssuche. Eine von ihnen ist die 21-jährige Vanessa Rempel.

Seit vier Tagen weiß die Bielefelderin, dass sie für das Humanmedizin-Studium in Göttingen zugelassen worden ist. Pünktlich zum Studienbeginn ist sie in die Uni-Stadt angereist. „Ich habe heute morgen schon zwei Stunden Autobahnfahrt hinter mir und mich eben eingeschrieben“, erzählt sie, während sie in der Schlange vor dem Servicebüro Wohnen des Studentenwerks steht. Eine Unterkunft hat sie noch nicht. „Aber ich hoffe, dass ich schnell etwas finde“, gibt sie sich zuversichtlich.

Wie Vanessa gehe es in diesen Tagen vielen Studierenden, erklärt die Pressesprecherin des Göttinger Studentenwerks Anett Reyer-Günther: „Im September standen 1953 Studierende auf der Warteliste für die insgesamt 4447 Wohnheimplätze, die wir in 41 Häusern anbieten können.“

Zwar ebbe die Nachfrage nach den kostengünstigen Unterkünftigen erfahrungsgemäß in den kommenden Wochen ab, dennoch bleibe die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum groß. Während für Zimmer des Studentenwerks durchschnittlich 180 Euro gezahlt werden müssten, seien die Mieten auf dem privaten Wohnungsmarkt oft doppelt so hoch.

Im bundesweiten Vergleich von 72 Hochschulstädten liegt Göttingen nach einer Studie des Immobilienentwicklers GBI auf Platz 48. Angeführt wird das Ranking von München, Frankfurt/Main und Köln. „Natürlich ist die Wohnungsnot dagegen bei uns noch vergleichsweise gering“, sagt Anett Reyer-Günther, „aber sie hat sich spürbar verschärft. Im Vorjahr lagen wir auf Patz 53.“

Als Grund für diese Entwicklung sieht sie den Trend zur eigenen Wohnung. „Viele Studierende wollen heute nicht mehr in großen Wohngemeinschaften wohnen und sich Bad und Küche mit zehn anderen Menschen teilen. “

Allen Studierenden, die aktuell noch keine Bleibe gefunden haben, rät die Pressesprecherin, auch unbeliebte Unterkünften wenigstens als übergangsweise Alternative in Betracht zu ziehen, „Für diese Wohnheime sind die Wartezeiten oft viel kürzer.“

Übergangsweise sei zudem eine Unterbringung in einem Bed und Breakfast-Hotel am Maschmühlenweg denkbar. Bis zu 14 Tagen und weitere zwei Wochen können Studierende für fünf Euro pro Nacht in einem der von der Uni angemieteten 60 Zimmer unterkommen. Jedoch sind auch diese Plätze momentan fast komplett ausgebucht.

Für Vanessa Rempel dennoch kein Grund, nervös zu werden: „Ich habe drei Jahre auf den Studienplatz gewartet, da soll mich das Wohnproblem jetzt nicht von meinem Traumstudium abhalten.“

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