Auf Bahnhofsvorplatz

Demo gegen NPD-Wahlkampf in Göttingen: Polizei zieht positive Bilanz

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Zelte bestimmen die Szenerie: Kundgebung gegen die Wahlkampfveranstaltung der NPD auf dem Bahnhofsvorplatz.

Göttingen. Es ist friedlich geblieben: Trotz der Wahlkampfveranstaltung der NPD auf dem Göttinger Bahnhofsvorplatz gab es am Samstag keinerlei Ausschreitungen.

Die rechtsextreme Partei kündigt unterdessen weitere wöchentliche Aktionen an.

Aktualisiert Sonntag um 12.55 Uhr.

Zelte bestimmten den ganzen Tag über einen Teil des Platzes. In den etwa zwei Dutzend Zelten hatten Aktivisten die Nacht verbracht, um den Platz zu besetzen. Am Morgen begann zudem eine Sitzblockade von Gegnern der NPD. Die Polizei hatte gegen 9 Uhr die Kundgebungsteilnehmer aufgefordert, den Bahnhofsvorplatz zu räumen. Dem kamen die Teilnehmer der Aktion erwartungsgemäß nicht nach, so Polizeisprecherin Jasmin Kaatz. Weil die Polizei nicht einschritt, blieb die Stimmung völlig friedlich. Manche sprachen sogar von „Volksfeststimmung“. Ein Kundgebungsteilnehmer sagte: „Ein voller politischer Erfolg und ein tolles Signal.“ Etwa 500 Teilnehmer des „Bündnisses gegen Rechts“ beteiligten sich an der Aktion gegen die NPD. 

Weil Gegendemonstranten sich vermummten, hatten die eingesetzten Polizeibeamten gegen 11.30 Uhr vorübergehend ihre Helme aufgesetzt. Sie wurden wieder abgesetzt, nachdem sich die Lage beruhigt hatte. Am letzten Juli-Sonntag war es bei einer sogenannten Mahnwache des Freundeskreises Thüringen/Niederachsen an der Stadthalle zu Auseinandersetzungen zwischen Gegendemonstranten und der Polizei gekommen.

Sitzblockade

Die Sitzblockade fand am Samstag an der Stelle statt, wo die NPD ihre Kundgebung abhalten wollten. Die etwa 45 Mitglieder der rechtsextremen Partei wurden von der Polizei an anderer Stelle platziert – und zwar ganz im Randbereich des Parkplatzes an der Ostseite des Göttinger Bahnhofs. 

Zahlreiche bekannte Gesichter aus der rechten Szene waren mit dabei. So sprachen beispielsweise Landratskandidat und Freundeskreis-Chef Jens Wilke, Thorsten Heise, früherer Northeimer und Vorsitzender des NPD-Kreisverbandes Eichsfeld, der stellvertretende Eichsfelder NPD-Chef Matthias Fiedler und der polizeibekannte Mario Messerschmidt. Lautstarke Sprechchöre der Gegendemonstranten sorgten allerdings dafür, dass die Reden praktisch nicht zu hören waren. Wilke kündigte auf dem Bahnhofsparkplatz weitere wöchentliche Veranstaltungen in Göttingen bis zur Kommunalwahl am 11. September an. Außerdem will die NPD in der neuen Woche gerichtlich durchsetzen, dass sie den von ihr angemeldeten Platz auch nutzen darf, kündigte Wilke ebenfalls am Wochenende an. 

Demo gegen NPD-Wahlkampf in Göttingen

Gegen 14 Uhr fuhren am Samstag die Teilnehmer der NPD-Wahlkampfaktion mit dem Zug nach Adelebsen weiter. Dort sollte es einen „Laufmarsch“ geben.

Verkehrsbehinderungen 

Für Behinderungen im Bereich des Göttinger Bahnhofs sorgte am Vormittag die Sperrung der Berliner Straße, die gegen 13.45 Uhr wieder aufgehoben wurde. (ysr)

Polizei zieht nach Einsatz positive Bilanz 

Die Göttinger Polizei zog nach dem Großeinsatz am Samstag in Göttingen eine positive Bilanz. „Ich bin sehr froh vermelden zu können, dass wir im Zusammenhang mit dem heutigen Großeinsatz im Bereich des Göttinger Bahnhofs keine nennenswerten Zwischenfälle verzeichnet haben und insbesondere unschöne gewalttätige Übergriffe auf die Einsatzkräfte wie bei den beiden zurückliegenden Einsätzen oder den Bewurf mit Flaschen und Gemüse, gab es dieses Mal nicht“, sagte Gesamteinsatzleiter Rainer Nolte. 

Den positiven Einsatzverlauf führt Nolte auch auf die angepasste Einsatzstrategie zurück. Eine offene Kommunikation mit den Versammlungsteilnehmern und Transparenz der polizeilichen Maßnahmen durch erklärende Lautsprecherdurchsagen, die Begleitung des Einsatzes auf der Facebook-Fanpage der Polizeidirektion Göttingen und der Einsatz von Konfliktmanagern haben Sicht des Einsatzleiters entscheidend zum störungsfreien Verlauf beigetragen. Zufrieden ist die Einsatzleitung der Polizei aber auch damit, dass im Vorfeld getroffene Absprachen von den Verantwortlichen der zentralen Gegenveranstaltung weitgehend eingehalten wurden. Laut Polizei nahmen an der Gegendemonstration 420 Personen teil. Bei der Wahlkampfveranstaltung der NPD zählte die Polizei 47 Teilnehmer.

Bündnis gegen Rechts dankt Polizei für besonnenes Verhalten 

Das Göttinger Bündnis gegen Rechts dankte der Polizei, die sich besonnen verhalten habe. „Unsere Kundgebung und unsere Strategie war ein voller Erfolg für das Bündnis gegen Rechts und alle Antifaschistinnen und Antifaschisten“, sagte Lothar Hanisch, Vorsitzender des DGB Südniedersachsen-Harz, stellvertretend für das Bündnis. 

Der NPD sei es Dank des couragierten Protests vieler hundert Gegner durch die Nacht und den frühen Morgen hindurch nicht gelungen, ihre Kundgebung wie geplant durchzuziehen. Die rechtsextreme Partei habe in eine Ecke auf dem Parkplatz ausweichen müssen. Lothar Hanisch: „Ohne die ruhige Entschlossenheit so vieler Menschen hätte jetzt die NPD, mit einem verurteilten Straftäter wie Thorsten Heise, ungehindert ihre Hassparolen verbreiten können.“ Als Erfolg werteen auch die Antifaschistische Linke International und Grüne Jugend die Aktion.

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