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Spaziergang um die Welt: Uni-Sammlungen sonntags geöffnet

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Von: Thomas Kopietz

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Prunkstück: Gewand eines sibirischen Schamanen, 18. Jahrhundert. Foto: Haase/nh
Prunkstück: Gewand eines sibirischen Schamanen, 18. Jahrhundert. © Haase/Privat

Göttingen. Die Universität Göttingen öffnet an Wochenenden einen Teil ihrer Sammlungen für Besucher. Die „Sonntagsspaziergänge“ sind wie eine kleine Reise um die Welt. Deutlich wird das in der Ethnologischen Sammlung. Wir haben besucht und sogar in sonst verschlossene Lagerräume geschaut.

Das nüchterne Gebäude mit den schlichten Säulen vor dem Eingang lässt nicht erahnen, welch besondere Stücke auf den Besucher warten - davon sind viele von unschätzbaren historischem Wert.

Die Gang durch die Ausstellungsräume ist wie eine kleine Welt- und Zeitreise, denn oft zeigen die Exponate in den Vitrinen die kulturhistorische Entwicklung von der Kleidung über die Gebrauchsgegenstände bis zur Bewaffnung der Völker dieser Welt.

18 000 Stücke haben die Mitarbeiter und Kustoden der völkerkundlichen Sammlung der Uni in Jahrhunderten zusammengetragen. Etwa 1000 sind öffentlich zu sehen. Der Rest lagert in Institutsräumen.

Faszinierend sind die Kleidungsstücke aus aller Welt, wie das Schamanengewand. Es ist eines von wohl nur zehn, die in Museen weltweit zu bestaunen sind, wie Nicole Zornhagen erzählt. „Schamanengewänder werden normalerweise nach dem Tod verbrannt.“ Dass es noch welche anzuschauen git, wie in Göttingen, ist ein Glücksfall. Hier können auch Kinder sehen, wie viele Metallplättchen, Werkzeuge an Metallhaken und Lederösen eingehängt sind. Schamanen hatten es nicht leicht.

Ein paar Räume weiter steht eine leere Vitrine. Das Exponat ist eigentlich - wenn es da ist - ebenso eindrucksvoll wie das Schamanengewand: Es ist die Rüstung eines Samurai. „Sie ist zur Restauration und wird noch einmal wissenschaftlich untersucht.“

Die Forschung im Institut an den eigenen Exponaten endet fast nie. Immer wieder gibt es neue Erkenntnisse. „Das ist das spannende“, sagt Nicole Zornhagen.

Manchmal aber sind Vitrinen leer, weil die einzigartigen Stücke gerne von Ausstellern und Instituten geliehen werden. Dann heißt es, die Samurairüstungen oder das Schamenengewand sorgfältigst für den Transport zu verpacken.

Für das Verleihen gibt es dann Sachleistungen oder Geld, dass das Institut nötig hat. Viel mehr könnte erforscht, restauriert und präsentiert werden. „Es fehlt an Geld“, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Zornhagen. Und dann zeigt sie, was dem Besucher sonst verwehrt bleibt: „Betreten verboten“ steht auf dem Schild an der Metalltür im Keller. Hier lagert der nicht minder spannende Rest der Sammlung - in grauen Kartons, Schränken und Metallregalen.

Karsten Warnke arbeitet hier. Der Student hat gerade Helme gesucht und betrachtet. Sie gehören zum Umfeld des Samurai-Gewandes. So unspektakulär aber spannend ist Völkerkunde. Aber man muss es mögen, in kargen aber wohl temperierten Kellerräumen den Eigenheiten der Völker nachzuforschen, spektakuläre Dinge wie Waffen zu untersuchen, oder das große Ergebnis in kleinen Dingen wie Haarnadeln zu entdecken.

Speere hinter Karteikästen: Nicole Zornhagen erkärt das System der Sammlung im Ethnologischen Institut der Uni Göttingen. Foto: Kopietz
Speere hinter Karteikästen: Nicole Zornhagen erkärt das System der Sammlung im Ethnologischen Institut der Uni Göttingen. © Kopietz

Dabei helfen auch altmodische Methoden: Die bekannten Dinge sind dokumentiert auf Kärtchen in Karteikästen. „Das ist das Handwerkszeug“, sagt Zornhagen. Mittlerweile sind die Karten aber auch digitalisiert worden.

Schöner als Abbildungen im Computer aber ist die Realität: wie die wunderbar gearbeitete Haube aus Federn des kleinen Vogels. Sie stammt aus der Cook-Sammlung.

Davon hat die Uni Göttingen wohl die vielfältigste, die bedeutendste weltweit. Allein sie lohnt den Besuch der Ethnologischen Sammlung. Der aber sollte mit Experten gemacht werden. Denn sie können unzählige Geschichten über die Objekte erzählen.

Ethnologische Sammlung der Universität

Die Sammlung befindet sich im Institut für Ethnologie, Theaterplatz 15. Sie ist unterteilt in die Sammlungen Asien, Ozianien, Amerika, Afrika und Europa. Sie gilt als eine der bedeutendsten Lehr- und Forschungssammlungen im deutschprachigen Raum. Gegründet wurde sie 1773. Dem Göttinger Naturforscher und Professor der Arzneiwissenschaften Johann Friedrich Blumenbach ist zu verdanken, dass im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts viele Kulturzeugnisse aus Ozeanien nach Göttingen kamen. Sie stammten von den drei Südsee-Expeditionen von James Cook. Viele Exponate - vor allem aus dem arktischen Raum, stammen aus der Sammlung des Petersburger Arztes Georg Thomas von Asch. (tko)

Öffnungszeiten/Eintritt: Sonntag, 10 bis 16 Uhr; Montag bis Freitag nach Vereinbarung. Eintritt: 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro. Sonntagsführungen: 5 Euro. Kontakt: Dr. Gundolf Krüger, 0551/39-7894. Infos: www.uni-goettingen.de/ethnologischesammlung

Sonntagsspaziergänge

Die Universität Göttingen öffnet sechs ihrer Sammlungen unter dem Motto „Sonntagspaziergänge“: Von 10 bis 16 Uhr sind die Ausstellungen in folgenden Instituten und Häusern geöffnet: Zoologisches Museum, Ethnologische Sammlung, Kunstsammlung, Gipsabdrucksammlung, Geowissenschaftliches Museum und Musikinstrumentesammlung. In allen Sammlungen und Ausstellung stehen Studierende als Ansprechpartner bereit. Interessierte können sich auch vorab für Führungen anmelden. Ostersonntag sind nur Kunstsammlung und Geowissenschaftliches Museum geöffnet. Zu empfehlen ist der im Buchhandel erhältliche Führer „Die Sammlungen, Museen und Gärten der Universität Göttingen“. Informationen gibt es im Internet unter www.uni-goettingen.de/sonntagsspaziergaenge und www.uni-goettingen.de/sammlungen

Von Thomas Kopietz

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