Stalking-Prozess in Göttingen: Staatsanwaltschaft fordert Bewährung

Das Landgericht Göttingen: Hier soll am Dienstag das Urteil in dem Stalking-Prozess fallen. Foto: bsc

Göttingen. In dem seit sieben Monaten laufenden Stalking-Prozess vor dem Landgericht Göttingen haben am Montag die Verfahrensbeteiligten ihre Plädoyers gehalten.

Die Staatsanwaltschaft forderte für den 30-jährigen Mann aus Göttingen eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren.

Der Angeklagte habe sich zahlreicher Delikte schuldig gemacht, unter anderem der Freiheitsberaubung, Bedrohung, Körperverletzung, Nötigung, Sachbeschädigung, Urkundenfälschung sowie mehrerer Verstöße gegen das Gewaltschutzgesetz. Da derzeit von dem 30-Jährigen keine neuen Straftaten zu erwarten seien, sollte die Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Die Verteidigung plädierte dagegen auf Freispruch.

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft den 30-Jährigen, der nach seiner Festnahme mehrere Monate in Untersuchungshaft gesessen hatte, auch wegen versuchten Mordes angeklagt. Sie warf ihm vor, Anfang November 2015 einen fast zehn Kilo schweren Stein von einer 3,50 Meter hohen Böschung auf einen Parkplatz heruntergeworfen zu haben.

Der schwere Betonstein war damals neben dem Pkw seiner Ex-Freundin gelandet, die dort gerade eingeparkt hatte. Das Wurfgeschoss verfehlte dabei nur knapp eine Kollegin der 28-Jährigen. Es sei nicht erwiesen, dass der 30-Jährige seine Ex-Freundin habe töten wollen, sagte Staatsanwältin Birgit Helberg. Daher sei die Tat nur als Sachbeschädigung zu werten.

Die übrigen Anklagevorwürfe hielt sie dagegen aufrecht. Der 30-Jährige habe seine langjährige Freundin, nachdem diese sich von ihm getrennt hatte, verfolgt und bedroht. Unter anderem habe er sie mit einem Messer bedroht und mehr als eine Stunde in der Wohnung festgehalten. Bei einem anderen Vorfall habe er sie im Schlafzimmer mit Kabeln gefesselt und so lange am Bett festgebunden, bis sie ihm versprach, dass sie die Trennung rückgängig machen werde.

Verteidiger Jürgen Ahrens zweifelte dagegen die Glaubwürdigkeit der als Nebenklägerin auftretenden Ex-Freundin an. Die Angaben der 28-Jährigen seien nicht glaubhaft und damit „nichts wert“. So seien beispielsweise auf den Fotos, die die Polizei nach ihrer angeblichen Fesselung ans Bett angefertigt hatte, keinerlei Verletzungen an den Handgelenken zu sehen. Auch die geschilderte Bedrohung mit dem Messer habe es nicht gegeben.

Der Prozess habe zudem keinen Beweis dafür erbracht, dass sein Mandant den Stein auf den Parkplatz hinuntergeworfen habe. Ahrens griff in seinem Plädoyer die Nebenklägerin auch persönlich an. Diese sitze „auf hohem Ross“, und ihr häufiges Lächeln zeige ihm, dass sie kein Stalking-Opfer sei. Das Gericht will sein Urteil am Dienstag verkünden.

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