Studie Göttinger Medizin-Ethiker: Ärzte stehen hinter Sterbefasten

Unterstützung: Eine Krankenpflegerin reicht einem Patienten ein Glas Wasser. Todkranke Menschen entschließen sich manchmal zum Sterbefasten.. Foto: dpa

Göttingen. Viele Mediziner befürworten ein ärztlich begleitetes Sterbefasten als ein Mittel, selbstbestimmt aus dem Leben zu gehen. Das ist das Ergebnis einer Studie von Medizin-Ethikern der Universitätsmedizin Göttingen (UMG).

Die Arbeit wurde jetzt von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin ausgezeichnet.

Nina Luisa Hoekstra, Dr. Micha Strack und Prof. Dr. Alfred Simon veröffentlichten die Studie „Bewertung des freiwilligen Verzichts auf Nahrung und Flüssigkeit durch palliativmedizinisch und hausärztlich tätige Ärztinnen und Ärzte“ in der „Zeitschrift für Palliativmedizin“.

Hintergrund war eine bundesweite Befragung von Ärzten, die Nina Luisa Hoekstra vom Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der UMG im Rahmen ihrer Promotion gestartet hatte.

Mediziner-Ethiker: Prof. Alfred Simon. Foto: UMG/nh

Der freiwillige Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit – FVNF, auch „Sterbefasten“ – ist für Patienten mit einer unheilbaren Krankheit oder einer sogenannten „infausten“ Prognose eine legale Möglichkeit, ihr Leben selbst bestimmt zu beenden.

In der aktuellen Debatte gibt es unterschiedliche Positionen, wie der FVNF und die ärztliche Begleitung rechtlich einzuordnen und ethisch zu bewerten ist.

Ziel der Befragung war es, die Rolle des FVNF in der palliativmedizinischen Patientenversorgung darzulegen und zu erfahren, wie FVNF durch palliativ-medizinisch und hausärztlich tätige Ärzte bewertet wird. Von den 714 verschickten Fragebögen kamen 255 ausgefüllt zurück.

Startete Umfrage: Nina Luisa Hoekstra Foto: UMG/nh

Der Tenor war deutlich: Insgesamt fand das Sterbefasten und die ärztliche Begleitung eine breite Zustimmung. Das Ausmaß war aber abhängig von Eigenschaften der Patienten und der Ärzte. Bei Patienten mit schicksalsartigem Eintritt und Verlauf der Grunderkrankung wie Krebs war die Zustimmung höher als bei Patienten mit entwicklungstypischen Krankheiten wie Demenz.

Zwei Gruppen der Befragten befürworteten FVNF in besonderem Maße: Ärzte, die eine ärztliche Hilfe zur Selbsttötung eher befürworten, sowie Ärzte mit palliativmedizinischer Zusatzweiterbildung, die jedoch eine ärztliche Hilfe zur Selbsttötung mehrheitlich ablehnen.

Fazit der Studie: Das Sterbefasten ist für die Palliativversorgung ein relevantes Thema, es muss aber tiefer und differenzierter betrachtet werden.

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