Theaterstück über das Thema Flüchtlinge: Konflikte, aber keine Lösungen

Helfen und geholfen werden war nicht konfliktfrei: Hier sind Azar und Timo (Rzgar Khalil und Shwan Karim, von links) im neuen Stück „Hilfe!“ aneinander geraten. Foto: Reimar de la Chevallerie/nh

Göttingen. Wer sich vom Titel „Hilfe!“ des neuen Stücks vom Göttinger Boat-People-Projekt Handlungsanstöße für einen harmonischen und erfolgreichen Umgang zwischen Geflüchteten und Helfern erhoffte, blieb ratlos zurück.

Zumal man von den letzten Worten der Aufführung, gesungen von Timo (Shwan Karim) und Musiker und Komponisten Hans Kaul, geradezu erschlagen wurde: „Wenn Du nicht mehr weißt, wie es weitergeht: Kapitulation.“

Die meisten Interaktionen zwischen den Protagonisten gingen schief, und die Probleme wurden schonungslos aufgespießt. Allenfalls wirkte es versöhnlich, dass die Einblicke in die Motivationen der überforderten Helfer zwar peinlich und schmerzlich waren, aber immerhin viele lustige Momente enthielten.

Warum das verunglückte Abendessen, zu dem Ann-Marie und Timo die Geflüchteten eingeladen hatten, ausgerechnet ein amerikanisches Thanksgiving-Essen war, erschloss sich der Rezensentin allerdings nicht.

Die Darsteller waren Zubair Ahmed, Imme Beccard, Rzgar Khalil, Shwan Karim, Andreas Klumpf und Lotte Hagemann, die sich die Rolle der Tochter von Ann-Marie mit Rhiona Glienke teilt. Die Herkunftsländer der Schauspieler sind Balutschistan, Deutschland, Irak und Syrien.

Das Publikum, das mit seiner Einbeziehung am Ende des anderthalbstündigen Stückes leicht überfordert war, spendete zum Schluss lang anhaltenden Beifall, obwohl der eine oder andere sich, mehr oder weniger beschämt, sicherlich selbst erkannt hatte.

Auch die Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur Gabriele Heinen-Kljajic war anwesend. „Ich verfolge die Aktivitäten des Boat-People-Projekts seit Jahren aufmerksam. Gerade das Theater ist geeignet, über die Grenzen der Kulturen hinweg Verbindungen zu knüpfen. Da die Stücke im Projekt gemeinsam entwickelt werden, entsteht eine Begegnung auf Augenhöhe.“

Die Begrüßung der Ministerin wurde ins Persische und ins Arabische übersetzt. Das gab dem Publikum die Gelegenheit, selbst zu erleben, wie es ist, wenn man kein Wort von dem versteht, was gesagt wird.

Sophie Diesselhorst hat das Stück geschrieben, Regie führte Nina de la Chevallerie und Dramaturgin war Nicola Bongard. Für die Ausstattung war Lea Dietrich verantwortlich, für die Video-Installationen Reimar de la Chevallerie und für die Technik Salah Abdullah. www.boat-people-projekt.de

Die weiteren Vorstellungen von „Hilfe!“ finden am 30. September sowie am 2., 29. und 30. Oktober und am 25., 26. und 27. November im Theater im ehemaligen Institut für den Wissenschaftlichen Film in Göttingen, Nonnenstieg 72, statt. Beginn ist jeweils ab 19.30 Uhr.

Am 5. und 7. April kommenden Jahres gibt es zudem zwei Aufführungen im Pavillon im Theater in der Landeshauptstadt Hannover.

Karten für die Göttinger Aufführungen gibt es im Internet, an allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie an der Abendkasse. Die Karten für die Göttinger Aufführungen kosten 15 beziehungsweise neun Euro. Der Ticketverkauf für Hannover folgt später.

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