Transplantationsskandal

Oberarzt soll eigenmächtig eine Leber verpflanzt haben

Im Fokus der Medien: In der Universitätsmedizin Göttingen wurde 2011 der Transplantationsskandal publik. Foto: dpa

Göttingen. Im Uni-Klinikum soll es im Mai 2012 eine weitere Unreglmäßigkeit mit schlimmen Folgen bei einer Leber-Transplantation gegeben haben.

Also nachdem sich die Universitätsmedizin Ende 2011 von dem leitenden und nun angeklagten Chirurgen Dr. O. getrennt hatte.

Der Vorfall ist am Mittwoch im Prozess um den Transplantationsskandal vor dem Göttinger Landgericht zur Sprache gekommen. Ein Zeuge sagte aus, dass der Oberarzt im Mai 2012 eigenmächtig veranlasst haben, eine leberkranke Patientin auf die Warteliste der Organisation Eurotransplant für ein Spenderorgan setzen zu lassen.

Zwei Tage später soll er der Patientin ohne Rücksprache mit seinen Vorgesetzten eine neue Leber transplantiert haben. Bei dieser Operation verstarb die 63-Jährige.

Der Angeklagte Dr. O. hat mit dem Fall nichts zu tun, denn er war Ende Dezember 2011 von der UMG freigestellt worden. Seit August 2013 muss sich der frühere Leiter der Transplantationschirurgie wegen versuchten Totschlages in elf Fällen und vorsätzlicher Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen vor dem Landgericht verantworten.

Das Gericht thematisierte den Vorfall bei einer erneuten Zeugenbefragung seines Nachfolgers. Professor Otto Kollmar hatte im April 2012 die Leitung der Transplantationschirurgie übernommen. Damals wurde als Reaktion auf die aufgedeckten Unregelmäßigkeiten im Zuge der Neuorganisation auch geregelt, welche Abläufe und Verfahrenswege für die Aufnahme von Patienten in die Warteliste, die Dokumentation und die Meldung an Eurotransplant einzuhalten sind.

Der Vorfall ereignete sich knapp sechs Wochen nach Kollmars Amtsantritt. Die Meldung der Patientin als hoch dringlicher „High Urgency“-Fall sei weder mit ihm noch mit dem Klinikdirektor abgesprochen gewesen, sagte Kollmar. Dies sei ein Regelverstoß gewesen.

Die Begründung für die Listung der Patientin hätte entweder von ihm oder dem Direktor der Chirurgie unterschrieben sein müssen. Er habe jedoch erst einen Tag nach dem Tod der Patientin von dem Fall erfahren. Der Oberarzt sei „schwerst getroffen“ gewesen. Wenn ein Patient auf dem OP-Tisch versterbe, sei dies das Schlimmste, was einem Chirurgen passieren könne, sagte Otto Kollmar. Nach einer vom Vorstand einberufenen Krisensitzung habe der Oberarzt, der stellvertretender Leiter des Lebertransplantationsprogramms gewesen war, keine Transplantationen mehr vornehmen dürfen.

Zwei Monate später setzte die UMG ihn in die Allgemeinchirurgie um. Der Oberarzt wollte die Versetzung nicht hinnehmen. Seine Klage vor dem Arbeitsgericht Göttingen hatte allerdings keinen Erfolg.

Die UMG hat das Lebertransplantationsprogramm mittlerweile eingestellt. In dem neu eingerichteten Leberzentrum werden schwerkranke Patienten, auch vor und nach einer Transplantation behandelt. (pid)

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