Flüchtlinge drehen Youtube-Videos gegen Vorurteile

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Mit Humor Vorurteile abbauen: Die syrischen Flüchtlinge Abdul Abbasi (links) und Allaa Faham drehen gemeinsam Videos auf Deutsch und mit arabischem Untertitel. 

Göttingen. „Ich hatte letztens ein Rückflugticket von der NPD in meinem Briefkasten. Aber es macht mir keine Angst. Warum auch?“, erzählt Abdul Abbasi. Abdul und sein Freund Allaa Faham sind Flüchtlinge aus Syrien – und sie drehen Videos über ihr Leben in Deutschland, um mit Vorurteilen aufzuräumen. 

Das machen sie mit ganz viel Humor.

Seit etwa drei Jahren sind Abdul (22) und Allaa (19) in Deutschland. Abdul studiert in Göttingen Zahnmedizin, Allaa besucht das Studienkolleg in Hamburg. Sie wollen sich ein Leben in Deutschland aufbauen, ein Leben ohne Krieg und Verfolgung. Um anderen Syrern dabei zu helfen, die Deutschen und ihre Kultur besser zu verstehen, haben sie im vergangenen Jahr das Projekt „GLS – German Lifestyle“ gegründet.

Videos auf Deutsch

„Anders sein ist nicht schlimm. Das wollen wir zeigen“, sagt Abdul. Ihr Ziel sei es, die Lücke zwischen Deutschen und Neuankommenden zu schließen. Deshalb erscheinen ihre Videos in deutscher Sprache und mit arabischem Untertitel.

In inzwischen 49 Videos zeigen die beiden die Unterschiede, die es zwischen beiden Kulturen gibt – und nehmen sich dabei selbst nicht zu ernst. „Unbekanntes macht oft Angst. Aber um sich zu entwickeln, braucht man doch auch andere Meinungen“, findet Abdul. Immer häufiger würden nicht mehr nur Syrer auf ihre Videos reagieren, sondern auch Deutsche. Genau das wollen sie erreichen: eine Diskussion. „Kommentare sind der erste Schritt, um sich kennenzulernen.“

Humor als Sprache

Mit Humor arbeiten sie, weil sie glauben, die Menschen damit besser zu erreichen, sagt Abdul. „Lachen ist eine globale Sprache. Das berührt.“ Auch wenn es immer wieder Hasskommentare gebe, finde die Mehrheit gut, was die jungen Syrer machen. Dafür sprechen auch die Zahlen: 87.000 Likes auf Facebook und 17.000 Abonnenten auf Youtube haben sie zurzeit.

Dennoch kosten die Videodrehs viel Zeit. Da Allaa in Hamburg und Abdul in Göttingen lebt, sind die Wege weit. Für Vorbereitung, Dreh und Schnitt bleibt den Freunden oft nur ein Tag. Schließlich soll auch die Uni nicht zu kurz kommen. „Das stresst schon ziemlich. Wir können danach nicht einfach zusammen rumhängen.“

Die Anstrengungen nähmen sie in Kauf, wenn sie damit Vorurteile abbauen könnten, sagt Abdul. So könnten sie zeigen, dass nicht alle Deutschen Rassisten und gleichzeitig nicht alle Syrer für den Krieg seien. „Auch bei uns gibt es kleine Gruppen, die anders denken. Genauso, wie in Deutschland“, erzählt Abdul.

Dabei glauben die beiden Flüchtlinge vor allem an eines: „Wenn wir etwas von uns geben und die Menschen respektieren, dann bekommen wir irgendwann auch etwas von ihnen zurück.“ www.facebook.de/glsgermanlifestyle, www.youtube.de unter germanlifestyle.

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