Urteil: 18 Monate Haft auf Bewährung für Stalking-Attacken in Göttingen

Der Eingang zum Landgericht Göttingen: Hier wurde am Dienstag das Urteil gesprochen. Foto: Kopietz

Göttingen. Das Landgericht Göttingen hat am Dienstag einen 30-jährigen Mann wegen einer Serie von Stalking-Attacken gegen seine Ex-Freundin zu einer Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte aus Verbitterung über die Trennung im November vergangenen Jahres einen fast zehn Kilo schweren Stein von einer 3,50 Meter hohen Böschung auf einen Parkplatz heruntergeworfen hatte, auf dem seine Ex-Freundin gerade eingeparkt hatte. Der Stein verfehlte knapp eine Kollegin der 28-Jährigen. Außerdem habe er sich bei fünf weiteren Taten unter anderem der Freiheitsberaubung, vorsätzlichen Körperverletzung, Nötigung, Sachbeschädigung, Urkundenfälschung sowie des Hausfriedensbruchs und versuchten Betruges sowie mehrerer Verstöße gegen das Gewaltschutzgesetz schuldig gemacht.

Niedrigere Strafe 

Das Gericht blieb mit seinem Urteil unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die eine zweijährige Bewährungsstrafe gefordert hatte. Die Strafe fiel insbesondere deshalb niedriger aus, weil die Kammer in zwei weiteren Fällen auf Freispruch entschied. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm vorgeworfen, seiner Ex-Freundin nachts Droh-SMS geschickt und sie aus dem Auto heraus mit der geballten Faust bedroht zu haben. Der Angeklagte hatte in dem Prozess von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht. Seine Reaktionen hätten gezeigt, dass er immer noch in erheblicher Weise verbittert sei, sagte der Vorsitzende Richter Ralf Günther.

Die Kammer habe lange überlegt, ob nicht eine höhere Freiheitsstrafe ohne Bewährung angemessen sei. Da der 30-Jährige jedoch bisher unbestraft sei und bereits mehrere Monate in Untersuchungshaft verbracht habe, gehe man davon aus, dass er in Zukunft keine weiteren Straftaten begehen werde. (pid)

Nebenklägerin gab vor Urteil Fernseh-Interview 

Bei der Urteilsverkündung im Göttinger Stalking-Prozess zeigte sich der Vorsitzende Richter Ralf Günther äußert verärgert über das Verhalten der Ex-Freundin, die als Nebenklägerin auftrat.

Die Frau hatte sich für einen Fernsehbeitrag interviewen lassen, der in der vergangenen Woche und damit noch vor dem Ende des Prozesses ausgestrahlt wurde. Es sei ausgesprochen kontraproduktiv, sich als Nebenklägerin während eines laufenden Prozesse gegenüber den Medien zu präsentieren, sagte Günther.

Zum Schluss appellierte der Richter an den Angeklagten und die Nebenklägerin, im Interesse ihres gemeinsamen Kindes die schweren Verwerfungen zu überwinden und ihre Beziehung zu normalisieren. Danach sah es allerdings nicht aus: Noch während der Richter das Urteil begründete, machte der Angeklagte eine wütende Geste in Richtung Zuschauerraum zum neuen Partner seiner Ex-Freundin.

Als der Vorsitzende Richter ihn zum Schluss darauf hinwies, dass er gegen das Urteil Revision einlegen könne, sagte er sofort: „Werd ich auch!“

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