200.000 Euro für durchgerostetes Auto: Käufer verklagt Großhändler

Vergleich vor Gericht: Rechtsstreit um teuren Mercedes-Oldtimer

Göttingen. Ein 60 Jahre alter Oldtimer hat jetzt einen Rechtsstreit am Landgericht Göttingen ausgelöst. 

Ein Liebhaber alter Autos hatte dort einen Fahrzeuggroßhändler aus dem Raum Göttingen verklagt, weil er von diesem 200.000 Euro zurückhaben wollte.

Messe in Stuttgart

Der Kläger hatte auf einer Oldtimer-Messe in Stuttgart einen Mercedes 300 S Baujahr 1954 gesehen, der dem Göttinger Händler gehörte. Er nahm zu diesem telefonisch Kontakt auf und überwies ihm später 200.000 Euro für den Autokauf. Als er das Fahrzeug bei dem Händler abholen wollte, stellte er fest, dass die Holme und die Bodengruppe durchgerostet waren, was auf dem Messestand nicht erkennbar gewesen war.

Forderung

Der Oldtimer-Fan revidierte daraufhin seine Kaufabsicht und forderte sein Geld zurück. Da der Händler sich weigerte, wurde der Streit am Mittwoch vor Gericht ausgetragen.

Sicherheitsleistung

Der Kläger machte geltend, dass die überwiesene Summe nur eine Sicherheitsleistung gewesen sei. Bei den Telefonaten sei es noch zu keiner Kaufvereinbarung gekommen. Der Händler habe die Vorabzahlung verlangt, um sicherzugehen, dass der Kaufinteressent solvent sei. Er sei dann gemeinsam mit einem Fahrzeugrestaurator zu dem Händler gefahren. In dessen Halle hätten sie dann den Oldtimer erstmals auf der Hebebühne gesehen und festgestellt, dass das Auto in keinem guten Zustand sei. Er habe deshalb darauf verzichtet, das Auto mitzunehmen. Der Händler habe ihm versprochen, ihm umgehend die bereits gezahlte Summe zu erstatten.

Widerklage

Dieser zahlte jedoch nicht, sondern verlangte stattdessen per Widerklage weitere 235.000 Euro. Er begründete dies damit, dass man am Telefon den Autokauf vereinbart und sich auf einen Kaufpreis von 435.000 Euro geeinigt habe. Die 200.000 Euro seien hierfür die Anzahlung gewesen.

Beweislast beim Kläger

Die Richterin verwies am Mittwoch darauf, dass in diesem Fall die Beweislast beim Kläger liege. Dieser müsse beweisen, dass kein Kaufvertrag zustande gekommen sei. Dies stellte sich jedoch als schwierig dar: Auf dem Überweisungsträger hatte er schließlich als Zweck „Autokauf“ angegeben.

Restaurator

Der Restaurator, den der Kläger als Zeugen benannt hatte, war zwar bei der Autobesichtigung dabei gewesen. Er hatte allerdings von dem anschließenden Gespräch zwischen dem Oldtimer-Fan und dem Oldtimer-Händler nur einzelne Wortfetzen mitbekommen und konnte deshalb nicht bestätigen, dass der Händler die Rücküberweisung versprochen hatte.

Vergleichsvorschlag

Weil er sich im Recht fühlte, beharrte der Kläger zunächst auf seiner Forderung. Später stimmte er mit Rücksicht auf sein angegriffenes Herz dann doch einem Vergleichsvorschlag des Gerichts zu: Der Oldtimer-Händler zahlt ihm 150.000 Euro zurück. Dafür muss der Kläger den größten Anteil der Verfahrenskosten zahlen.

Im Visier der Behörden

Der Fahrzeuggroßhändler war vor einiger Zeit mit seinen Oldtimer-Geschäften auch einmal ins Visier der Strafverfolgungsbehörden geraten. 2001 saß er deshalb mehrere Wochen in Untersuchungshaft. Damals ermittelte die Staatsanwaltschaft Paderborn gegen ihn wegen des Verdachts des Betruges. Das Verfahren wurde eingestellt, nachdem ein Täter-Opfer-Ausgleich stattgefunden hatte.

Rubriklistenbild: © dpa

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