Vivien Bohm: Göttinger Studenten-Politik statt Hörsaal

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Vivien Bohm: Sie ist die neue Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses der Universität Göttingen.

Göttingen. Neue Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) der Universität Göttingen ist seit dieser Woche Vivien Bohm. Die 23-Jährige, die aus Berlin stammt, studiert Politikwissenschaft im fünften Fachsemester.

Schon seit zwei Jahren engagiert sich das Mitglied der Grünen Hochschulgruppe im Studierendenparlament der Uni. „Schon kurz nach Bekanntwerden der Ergebnisse nach der Wahl Ende Januar reifte der Entschluss, für den Vorsitz zu kandidieren. Mich hat die Herausforderung gereizt“, sagt die Studentin.

Bohm möchte im kommenden Jahr mehr politische Inhalte in den Mittelpunkt der Arbeit stellen. „Die früheren Asten haben den Servicegedanken in den Mittelpunkt gestellt. Den Studierenden die Arbeit zu erleichtern, ist eine wichtige Aufgabe. Das kann aber nicht alles sein.“

Der AStA will sich stärker als bislang mit Gruppen in der Stadt vernetzen. Dabei geht es unter anderem um Hilfen für Asylbewerber. Hintergrund: Unter den Studierenden sind immer mehr Flüchtlinge. Außerdem engagieren sich viele Studierende in Flüchtlingshilfsgruppen. „Wir wollen damit ein Zeichen für die Solidarität mit Flüchtlingen setzen. Das Engagement ist da. Wir müssen die Gruppen zum Beispiel bei der Organisation von Treffpunkten unterstützen.“

Ein weiterer Schwerpunkt ist das Thema Ökologie: So soll es Vortragsveranstaltungen und Info-Aktionen zum Energieeinsparen geben. Außerdem sollen Grünflächen rund um das AStA-Gebäude an der Großlerstraße neu gestaltet werden. Weiterhin soll ein Veranstaltungsprogramm zur politischen Bildung aufgelegt werden. Und der neue AStA will mögliche Diskriminierungen in der Uni, zum Beispiel durch die Hautfarbe, bekämpfen.

Um ihre Aufgaben als AStA-Vorsitzende erfüllen zu können, wird sie ihr Studium für zwei Semester unterbrechen. „Die Arbeit als AStA-Vorsitzende ist kein Job, den man in 40 Stunden schaffen kann. Es wird eher mehr sein.“ Bohms Freunde unterstützen ihre neue Aufgabe. „Sie sind für mich da.“

Bohm hofft, dass sie trotz ihrer Arbeit für den AStA noch Zeit für ihr Hobby findet: Sie ist Mitglied einer Jazz- und Modern-Dance-Gruppe des Tuspo Weende. „Ich nehme mit der Gruppe öfter an Turnieren teil. Das ist für mich ein wichtiger Ausgleich.“ 

AStA-Vorsitzende weist Kritik zurück

Unterdessen gibt es bereits Kritik an der neuen AStA-Vorsitzenden. So wirft die Arbeitsgemeinschaft Demokratischer Fachschaftsmitglieder (ADF) Vivien Bohm vor, dass Mitarbeiter der Erstsemesterbetreuung unter Mindestlohn bezahlt werden sollen.

Vorsitzende Bohm weist diese Kritik zurück: Sie will die Arbeit umstrukturieren. Ein Teil der Erstsemesterbetreuung soll über ehrenamtliches Engagement realisiert werden. „Und dafür gibt es eine Aufwandsentschädigung.“ Außerdem werden Mitglieder des AStA stärker als bislang in die Betreuung einsteigen.

Die fest angestellten Betreuer, deren Zahl deutlich sinken soll, werden den Mindestlohn bekommen. Im vergangenen Jahr hatte der AStA zehn Betreuer für Erstsemester eingestellt.

Weiterer Kritikpunkt der ADF: Die Referenten seien bei ihrer Befragung nicht genügend vorbereitet gewesen. „Wir haben uns intensiv auf das Treffen vorbereitet, aber wir fangen erst mit der Arbeit an und müssen uns erst einfuchsen“, fordert Bohm Zeit für die Einarbeitung ein. (bsc)

Zehn Referenten unterstützen Bohm

Neben der Vorsitzenden Vivien Bohm (Grüne Hochschulgruppe/GHG) hat der neue Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Universität Göttingen insgesamt zehn Referenten. Hier der Überblick:

• Sozialreferentin: Larissa Freudenberger (Juso-Hochschulgruppe);

• Finanzreferent: Benjamin Söchtig (Die Partei-Hochschulgruppe);

• Hochschulreferent: Roman Kirk (Basisgruppenliste/BGL);

• Außenreferent: Hauke Oelschlägel (BGL);

• Referent für Transparenz und Öffentlichkeit: Jonas Neef (GHG);

• Kulturreferent: Lukas Kayser (Schwarz-Rot Kollabs);

• Gender-Referentin: Silke Hansmann (Juso-HSG).

• Referent für Ökologie und Nachhaltigkeit: Michael Schlorke (GHG).

• Referent für Politische Bildung: Aljoscha Dalkner (Juso-HSG)

• Referentin für Flucht und Migration: Rebekka Weber (GHG). 

www.asta.uni-goettingen.de

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