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Polizeiautos standen auf Behindertenparkplätzen vor Einkaufszentrum

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Von: Tatjana Coerschulte

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2000 Parkplätze, aber dieser war besetzt: Auf einigen der Behindertenparkplätze vor dem Einkaufzentrum Kauf Park standen Polizeifahrzeuge. © Nölting/nh

Göttingen. „Das geht so nicht, und das lass ich auch nicht durchgehen.“ Was sie am Donnerstag auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums Kauf Park in Göttingen erlebte, lässt Monika Nölting richtig wütend werden.

Die Rollstuhlfahrerin aus Northeim wollte am Vormittag in den Kauf Park, just zu dem Zeitpunkt, als in der Ladenstraße eine Ausstellung über Polizeiarbeit eröffnet wurde. Prominente Gäste: Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) und Göttingens Polizeipräsident Robert Kruse. Für die Ehrengäste waren Parkplätze vor dem Haupteingang reserviert - darunter auch solche, die eigentlich für Fahrzeuge von Behinderten freigehalten werden sollen. Auf denen standen nun unübersehbar Fahrzeuge der Polizei.

„Muss man sich sowas gefallen lassen?“, empört sich Monika Nölting, die in Northeim Vorsitzende des Beirats für Menschen mit Behinderungen ist. Der Parkplatz des Einkaufszentrums, auf dem rund 2000 Autos Platz finden, ist aus juristischer Sicht eine „quasi-öffentliche Fläche“. Zwar werden dem Betreiber Auflagen gemacht hinsichtlich der Anzahl und der Ausstattung von Behindertenparkplätzen. Knöllchen für Falschparker kann das Ordnungsamt auf der privaten Fläche aber nicht verteilen.

„Das ist ein bisschen unglücklich gelaufen“, räumt Polizeidirektor Gerd Hujahn von der Polizeiinspektion Göttingen ein. Für die Eröffnung der Polizeiausstellung habe der Kauf Park den Bereich des Parkplatzes mit Flatterband abgesperrt; ein Mitarbeiter des Einkaufszentrums habe darauf aufgepasst. Als die Fahrzeuge des Ministers und der Polizei auf den Parkplätzen standen, habe der Mitarbeiter das Absperrband abgenommen und sei gegangen. „Als Frau Nölting kam, war die Situation sicher missverständlich“, gibt Hujahn zu.

Auch der Kauf Park bedauert, dass die Northeimerin nicht den gewünschten Parkplatz in Anspruch nehmen konnte. „Während des Besuchs unseres Innenministers haben wir kurzfristig 30 von unseren über 2000 gebührenfreien Parkplätzen abgesperrt. Darunter waren auch zehn Behindertenparkplätze, auf denen jedoch nicht die Fahrzeuge des Ministers abgestellt worden sind“, betont Centermanager Andreas Gruber. „Es waren dort Polizeifahrzeuge abgestellt, wo sich die Polizeibeamten im Einsatz befanden. Während der 30-minütigen Absperrung waren noch zehn weitere Behindertenparkplätze in nächster Nähe, die zum Teil noch besser gelegen waren, frei.“

Das Innenministerium weist darauf hin, dass der Kauf Park als Verantwortlicher dem Fahrer des Ministers und den Personenschützern die Parkplätze angewiesen habe. Sprecherin Vera Wucherpfennig: „Wir bedauern den Vorfall und die entstandenen Irritationen.“

Von Tatjana Coerschulte

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