Beamte werden in Einsatz- und Streifendienst integriert

Mehr Polizeibeamte auf der Straße: Aus für Verkehrsunfalldienst in Göttingen

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Unfallaufnahme in Göttingen: Bislang ist dazu in der Regel der Verkehrsunfalldienst der Polizei (mit Kleinbus) im Einsatz. Ab Anfang Oktober übernehmen normale Streifenwagenbesatzungen diese Aufgaben. 

Göttingen. Die Polizei will erreichen, dass in Südniedersachsen künftig mehr Beamte rund um die Uhr auf Streife sind. Das ist ein zentrales Ergebnis einer Organisationsuntersuchung.

Göttingens Polizeipräsident Uwe Lührig stellte das Konzept, das bis 2020 umgesetzt werden soll, vor. Mit einer Reihe von konkreten Umstrukturierungen soll der sogenannte „Einsatz- und Streifendienst“ der Polizei in Südniedersachsen gestärkt werden.

„Insgesamt werden mehr Streifenwagen im öffentlichen Raum unterwegs sein“, kündigte der höchste Polizist der Region an.

Allerdings gibt es dafür nicht mehr Personal. Stattdessen muss umstrukturiert werden. Das hat schon für Proteste gesorgt. Ein Beispiel: So wird die Zahl der Kontaktbereichsbeamten im Zuge von Penionierungen sinken - von jetzt zehn in Stadt und Landkreis Göttingen auf vier bis 2020, davon drei in der Uni-Stadt.

Mit den Veränderungen reagiert die Polizei laut Präsident Lührig auf neue Bedrohungen wie der Computerkriminalität, Terrorismus, politisch motivierte Kriminalität oder Gefahren durch Fußballfans, die auf ihren Weg zum Stadion oder nach Hause in Südniedersachsen durchreisen.

Gleichzeitig stellt Uwe Lührig klar, dass die Polizei in der Region keine Mitarbeiter verliert. Bei der Polizeiinspektion Göttingen sind aktuell 600 Mitarbeiter beschäftigt, bei der Inspektion Northeim/Osterode 370.

Personaldecke zu knapp

Michael Bersenkowitsch, Vorsitzender der Kreisgruppe Göttingen der Gewerkschaft der Polizei, sagt hingegen mit Blick auf die Personalsituation: „Das Tischtuch bei der Polizei ist viel zu knapp bemessen."

Aus für den Göttinger Polizei-Unfalldienst

Um zusätzliche Beamte in den Einsatz- und Streifendienst schicken zu können, muss die Polizei umstrukturieren.

Göttingens Polizeipräsident Uwe Lührig stellte einige konkrete Beispiele vor:

• Der Verkehrsunfalldienst, den es im Bereich der Polizeidirektion nur in Göttingen gibt, wird zum 1. Oktober aufgelöst. Die dort tätigen Beamten werden in den Einsatz- und Streifendienst integriert. Bei Unfällen in der Uni-Stadt rückt dann eine normale Streifenwagenbesatzung aus.

• Die Innenstadt-Wache im Alten Rathaus in Göttingen wird verkleinert - dort arbeiten elf Beamte.

• Die Göttinger Polizei-Puppenbühne wird künftig zwei statt drei Beamte haben. Stattdessen wird eine Erzieherin das Team verstärken.

• Die Technische Ermittlungsgruppe Umwelt der Polizeidirektion wird aufgelöst. Das sind Beamte in Schutzanzügen, die beispielsweise nach Gefahrgutunfällen zum Einsatz kommen. Stattdessen wird die Polizei auf das Fachwissen der Umweltfeuerwehren beziehungsweise von externen Dienstleistern zurückgreifen.

• Die vier Diensthundegruppen, die in Göttingen, Hildesheim, Hameln und Nienburg stationiert sind, werden den jeweiligen Polizei-Inspektionen zugeordnet. Damit soll beispielsweise eine schnellere Verfügbarkeit ermöglicht werden.

Außerdem wird die Arbeit der Polizeibeamten schon jetzt optimiert. Wer in Südniedersachsen den Polizeinotruf wählt, landet seit einiger Zeit in der Göttinger Polizei-Leitstelle. Dort sieht der Mitarbeiter am Bildschirm genau, wo sich jeder Streifenwagen befindet. Dazu sind die Fahrzeuge per Datenfunk mit der Zentrale in Göttingen verbunden. Alarmiert wird dann das Fahrzeug, das dem Einsatzort am nächsten ist. Übrigens: Dabei spielen die Kreisgrenzen keine Rolle.

Polizei-Gewerkschaft: Polizisten über Belastungsgrenze

Kritik, insbesondere an der Auflösung des Verkehrsunfalldienstes, kommt von Michael Stieg, stellvertretender Vorsitzender der Kreisgruppe Göttingen der Gewerkschaft der Polizei (GdP).

Die Auflösung der Einheit ist aus Sicht von Stieg unsinnig: „Dieser Dienst arbeitet besonders effektiv. Jeder Beamte nimmt etwa 400 Fälle im Jahr auf.“ Zukünftig müssen die Göttinger Einsatz- und Streifendienste die 4500 Unfälle pro Jahr, die diese Beamten bearbeiten, aufnehmen. Dabei sind diese Streifenpolizisten laut Stieg ohnehin schon stark belastet.

Eine Umsetzung von Beamten vom Verkehrsunfalldienst in den Streifendienst ist nicht ohne weiteres nicht möglich, da viele zahlreiche Polizisten mit Handicap dort eingesetzt sind, erklärt Stieg

„Ich sehe die Gefahr, dass nicht schnell genügend junge Polizisten nachrücken können. Folge wäre eine deutliche Mehrbelastung der Streifenpolizisten“, sagt Stieg. „In fünf Jahren sieht die Situation anders aus, weil viele Pensionierungen durch sind.“

Außerdem ist die Göttinger Einheit über die Kreisgrenzen hinaus bei großen Unfällen zur Unterstützung im Raum Northeim, Uslar und Osterode im Einsatz. „Sie beherrschen eine besondere Technik zur Unfallaufnahme.“

Grundsätzlich ist aus Sicht von Stieg die Personalsituation mehr als angespannt. „Viele Polizisten arbeiten über der Belastungsgrenze.“

Unterdessen hat die GdP eine Kampagne für mehr Personal gestartet. Landesvorsitzender Dietmar Schilff machte deutlich, dass die Polizei in Niedersachsen 1,45 Millionen Überstunden vor sich her schiebt. „Das zeigt, dass wir schnell mehr Personal benötigen.“ Ein klarer Appell an das Land.

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LoddarM
(0)(0)

Mehr Polizeiwagen mit weniger Personal ! Der Fernsteuerung sei Dank....

Kommentare

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