Fremdenfeindliche Gewaltattacken

Übergriffe in der Göttinger Innenstadt: Zwei Männer vor Gericht

Göttingen. Wegen fremdenfeindlicher Gewaltattacken haben sich am Mittwoch zwei 27 und 38 Jahre alte Männer vor dem Amtsgericht Göttingen verantworten müssen.

Der 27-Jährige, der zuletzt in Einbeck gewohnt hat und mehrfach wegen Gewaltdelikten vorbestraft ist, ist unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und Volksverhetzung angeklagt. Er stand zur Tatzeit unter Bewährung, die jedoch nach den neuen Vorfällen widerrufen wurde. Deshalb sitzt er derzeit die vorher verhängte Freiheitsstrafe in der JVA Rosdorf ab. Dem 38-jährigen Mitangeklagten aus Stadtoldendorf wirft die Staatsanwaltschaft ebenfalls gefährliche Körperverletzung vor.

Die gewalttätigen Übergriffe sollen sich im Februar dieses Jahres in der Göttinger Innenstadt abgespielt haben. Opfer waren zwei 23 und 30 Jahre alte Göttinger, die beide afrikanischer Herkunft sind. Der erste Vorfall ereignete sich an einer Bushaltestelle hinter dem Alten Rathaus. Laut Anklage soll der 27-Jährige zunächst einen 23-jährigen gebürtigen Sudanesen nach Zigaretten gefragt haben. Danach habe er diesen am Kragen gepackt und ihm mit der Faust gegen den Kopf geschlagen.

Wenige Minuten später gab es den nächsten Vorfall. Die beiden Angeklagten hatten an einer anderen Haltestelle einen Bus bestiegen, in dem ein 30-jähriger gebürtiger Kameruner saß. Als der 27-Jährige dies bemerkte, habe er den 30-Jährigen beschimpft, sagte der Staatsanwalt. Die beiden Angeklagten hätten den 30-Jährigen dann mit Fäusten und Tritten attackiert und an den Haaren gezogen. An der nächsten Haltestelle wurde ein Passant auf die Gewaltattacken aufmerksam. Der 54-Jährige bestieg den Bus und griff sich couragiert einen der Angreifer. Wenig später kam die Polizei und verfrachtete die mutmaßlichen Schläger zur Dienststelle. Anschließend kamen beide Männer in eine psychiatrische Fachklinik.

Auf Entzug gewesen

Dort kamen sie auch her, beide hatten sich dort bei einer Entzugsbehandlung kennengelernt. Die Therapie war allerdings offenbar nicht erfolgreich, denn zum Abschluss ihres Klinikaufenthalts fiel den Männern nichts Besseres ein, als das Ende ihrer Alkoholentwöhnung in der Göttinger Innenstadt mit Alkohol zu feiern. Die späteren Atemalkoholtests ergaben Werte von 1,95 und 2,17 Promille.

Beide Angeklagte erklärten zu Prozessbeginn, dass sie zur Tatzeit sowohl unter Alkohol- als auch unter Medikamenteneinfluss gestanden hätten. Dem 38-Jährigen ist die Tat seinen Angaben zufolge „sowas von peinlich“, er distanziere sich „komplett von der Ausländerfeindlichkeit“. Der 27-Jährige sagte, das Ganze sei „blöd gelaufen“ und solle „nie wieder vorkommen.“ Da unklar ist, welche Wechselwirkungen durch den Medikamenten- und Alkoholkonsum aufgetreten sein könnten, einigten sich die Beteiligten darauf, das Verfahren auszusetzen und beim nächsten Prozessanlauf einen Sachverständigen hinzuziehen. (pid)

Rubriklistenbild: © dpa

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.