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Schüsse in Polizeidirektion Göttingen: Zwei Polizisten verletzt

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Göttingen. Bei einer Schießerei im Gebäude der Polizeidirektion Göttingen an der Groner Landstraße sind am Freitagnachmittag zwei Beamte von einem Mann schwer verletzt worden.

Die beiden Polizisten wurden ins Uni-Klinikum gebracht und notoperiert, teilte die Polizei mit. Lebensgefahr bestehe nicht.

Laut Polizei sollten bei einem vermutlich drogenabhängigen 43-jährige Mann, gegen den wegen mehrfacher Urkundenfälschung ein

Aktualisiert um 18.25 Uhr

Untersuchungshaftbefehl vorlag, die Fingerabdrücke genommen werden. Neben dem 43-Jährigen waren vier Polizisten und eine Praktikantin im Raum.

Plötzlich kam es zu einer Rangelei. Während der Auseinandersetzung schaffte es der Täter, die Schusswaffe eines der Polizisten zu ergreifen.

Wie genau es dazu kam, konnte der Leitende Polizeidirektor Thomas Rath, Chef der Polizeiinspektion Göttingen, noch nicht sagen. „Da laufen die Ermittlungen noch.“

Video: Stellungnahme der Polizei

Der Täter habe aus kurzer Distanz mehrere Schüsse abgegeben. Dabei seien zwei Beamte jeweils ins Bein getroffen worden. Sie wurden schwer verletzt und erlitten zudem einen Schock. Ein dritter Beamter sei nur knapp verfehlt worden.

Anderen Beamten gelang es, den Täter zu überwältigen. Er sitzt in Polizeigewahrsam und wird am Samstag einem Haftrichter vorgeführt. Die Polizei und die Staatsanwaltschaft Göttingen haben Ermittlungen gegen den 43 Jahre alten Mann aus Göttingen wegen des Verdachts des versuchten Totschlags aufgenommen.

Mehrere Rettungswagen sowie der Notarzt waren im Einsatz. Inzwischen wurde der Tatort von Spezialisten der Polizei unter die Lupe genommen. In dem Gebäude, das aus mehreren Teilen besteht, ist neben der Leitung der Polizeidirektion auch ein Polizeikommissariat untergebracht. 

Die Polizei schrieb am Abend in einer Stellungnahme: "Nach dem in seiner Brutalität vollkommen unbegreiflichen Angriff stehen die unmittelbaren Kollegen der beiden Verletzten noch immer unter Schock."

"Unser aller Gedanken sind bei den verletzten Kollegen und ihren Familien. Auch wenn derartige Situationen leider zum polizeilichen Alltag gehören, werden neben den zurückbleibenden körperlichen Narben vor allem die psychischen Nachwirkungen noch lange fortwirken. Letztlich können wir aber zumindest erleichtert sein, dass dieser Tag keine Todesopfer in unseren Reihen gefordert hat", sagt Thomas Rath.

Polizeipräsident Robert Kruse ist fassungslos angesichts der Brutalität des Täters. "Dieser rücksichtslose Angriff auf zwei meiner Kollegen ist ein weiterer Beleg für die kontinuierlich angestiegene Gewaltbereitschaft gegen Polizeibeamte in Ausübung ihres Dienstes zum Wohle der Bürger. Ich wünsche den verletzten Kollegen und allen durch diese Tat auch psychisch betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine baldige Genesung", sagte der Behördenleiter. (abg/bsc/dpa)

Fotos: Schüsse in Polizeidirektion

Hintergrund - Gewalt gegen Polizisten

Polizisten in Deutschland leben gefährlich. Einige wurden im Einsatz sogar getötet.

Oktober 2011: Im Augsburger Stadtwald wird ein 41 Jahre alter Polizist erschossen, eine Kollegin wird schwer verletzt. Sie wollten zwei Männer kontrollieren, die mutmaßlich einen Raubüberfall geplant hatten.

März 2010: Beamte eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) wollen in Anhausen (Rheinland-Pfalz) in die Wohnung eines Mitglieds der „Hells Angels“ eindringen, als der Mann durch die geschlossene Tür feuert. Ein Beamter stirbt an einer Schussverletzung.

April 2007: In Heilbronn (Baden-Württemberg) wird die 22-jährige Polizistin Michèle Kiesewetter mit einem Kopfschuss tot neben ihrem Streifenwagen gefunden. Ihr 24-jähriger Kollege überlebt schwer verletzt. Jahre später stellt sich heraus, dass sie Opfer der Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) wurden.

März 2006: Ein Räuber schießt in Berlin einen Zivilfahnder nieder, der ihn kontrollieren wollte. Der 42-jährige Beamte stirbt vier Tage später.

April 2003: Ein 37-jähriger Polizeibeamter wird in Berlin tödlich verletzt, als ein Sondereinsatzkommando die Wohnung eines wegen versuchten Mordes gesuchten Tatverdächtigen stürmt.

Juli 2002: Zwei 40-jährige Polizisten werden während eines Einsatzes in Bonn-Bad Godesberg auf der Straße niedergeschossen. Ein Beamter stirbt, sein Kollege erleidet schwere Verletzungen. (dpa/lni)

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