Göttinger Affenforscher: Fliegen können in Afrika krank machen

Nahaufnahme: Zwei Fliegen saugen an einer Hautwunde eines mit dem Bakterium Treponema pallidum infizierten Pavians im Lake Manyara Nationalpark in Tansania. Foto: F. Paciencia/nh

Göttingen. Fliegen können in Afrika gefährliche Bakterien übertragen. Das haben Forscher des Deutschen Primatenzentrums aus Göttingen herausgefunden.

Offene Wunden

Offene Wunden an Armen und Beinen, entstellte Gesichter – „Frambösie“ ist eine Krankheit, die Haut, Knochen und Knorpel befällt. Betroffen sind vor allem Kinder in den entlegensten tropischen Gegenden von Afrika, Südostasien und dem Pazifikraum. Auslöser der Krankheit ist das Bakterium „Treponema pallidum subspecies pertenue“. Bislang ging man davon aus, dass das Bakterium nur von Mensch zu Mensch übertragen wird.

Neue Studie

Eine jetzt veröffentlichte Studie eines internationalen Forscherteams um Sascha Knauf vom Deutschen Primatenzentrum legt jedoch nahe, dass auch Fliegen als Überträger fungieren. Dies müsse bei der Bekämpfung der Krankheit berücksichtigt werden.

Frambösie-Gebiet

Da wo die Straßen aufhören und nur noch einzelne Dörfer den Urwald unterbrechen, beginne das Frambösie-Gebiet. Benannt nach der Himbeere, französisch ‘framboise’, führt diese Krankheit zunächst zu himbeerartig aussehenden Hautveränderungen. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, kommt es im weiteren Verlauf zu schweren Knochen- und Knorpelveränderungen, die insbesondere im Gesicht und an den Extremitäten auftreten. Die Ansteckung erfolgt durch Hautkontakt mit einer infizierten Person. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht inzwischen davon aus, dass 75 bis 80 Prozent der betroffenen Kinder unter 15 Jahre sind.

Keine Medikamente

Eigentlich genügt eine Pille eines Antibiotikums, um die durch das Bakterium ausgelöste Krankheit zu heilen. Praktisch gibt es jedoch viele Dörfer ohne Zugang zum rettenden Medikament. Die WHO hat sich nun nochmals dem Problem angenommen und will die Krankheit bis zum Jahr 2020 ausrotten.

Nachweis

Dabei könnte es aber ein Problem geben: Nicht nur hat das internationale Forscherteam um Sascha Knauf vom Deutschen Primatenzentrum in einer früheren Studie den Frambösieerreger auch im Affen nachgewiesen und damit den Verdacht nahegelegt, dass es ein unbeachtetes Tierreservoir gibt. Das Bakterium konnte in der Studie auch auf Fliegen nachgewiesen werden.

Infizierte Paviane

Sascha Knauf und seine Kollegen haben 207 Fliegen in zwei Nationalparks in Tansania untersucht. In beiden Parks leben mit dem Bakterium infizierte Paviane. In rund 20 Prozent der untersuchten Fliegen konnte Bakterien-DNA nachgewiesen werden. „Unsere Untersuchung bekräftigt die Annahme, dass Fliegen die Frambösie übertragen können“, sagt Sascha Knauf, Erstautor der Studie. Die Forscher wollen weiter an dem Thema arbeiten, da bislang noch nicht klar ist, ob die in den Fliegen gefundenen Bakterien lebensfähig sind.

Affen als Reservoir

„Wenn sich bestätigt, dass die Fliegen tatsächlich lebende Bakterien übertragen und infizierte Affen als Reservoir fungieren, wird es immer wieder Fälle von Frambösie geben, auch wenn die Krankheit beim Menschen durch Medikamente und Hygienemaßnahmen ausgerottet wird“, sagt Knauf. Weitere Infos gibt es im Internet. (bsc)

http://bit.ly/2aTie2d

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