Ältestes Uni-Gebäude vor dem Lern- und Studienzentrum ist gesperrt

Nach Steinschlag: Kein Durchgang am Reitstalltor auf Göttinger Campus

Kein Durchgang: Das historische Reitstalltor vor dem modernen, drei Jahre alten Lern- und Studiengebäude auf dem Zentral-Campus der Universität Göttingen ist für den Durchgang gesperrt. Grund sind herunterfallende Steinchen. Die Stühle gehören zum Kunstprojekt Kulturstühle. Foto: Kopietz

Göttingen. Es ist ein wunderbarer Kontrast, durch das historische Reitstalltor zum Eingang des modernen Lern- und Studienzentrums auf dem Zentral-Campus zu gehen. Das aber ist im Moment nicht möglich.

Denn der Durchgang durch eines der ältesten Bauwerke der Universität wird den Studierenden per Flatterband verhindert.

„Das ist eine Vorsichtsmaßnahme“, sagt Rainer Bolli, Leiter des Gebäudemanagements der Universität Göttingen.

So hätten sich kleiner Sandsteinteile vom Gesims am Torbogen gelöst und seien hinuntergefallen.

„Eine Erklärung dafür, warum das passiert ist, haben wir noch nicht. Wir werden das in dieser Woche aber genau prüfen“, sagte Bolli auf Anfrage unserer Zeitung.

Das Abplatzen der Sandsteinteile könne durch Witterungseinflüsse verursacht worden sein.

Das Reitstalltor stand früher am Reitstallgebäude, heute Carre-Einkaufszentrum. Nach dem Abriss des historischen Gebäudes wurde das Tor auf den Campus der Uni „verpflanzt“. Um den Abriss des Reitstalls hatte es 1968 in Göttingen heftige Kontroversen gegeben. Der Reitstall, gebaut zwischen 1734 und 1736, war das erste Gebäude der neu gegründeten Universität in Göttingen.

Mit dem Reitstall sollten vor allem junge Adlige und Söhne aus gutbürgerlichem Haus an die Georgia Augusta gelockt werden, eine hervorragende Reitbahn hatte seinen Reiz auf diese Studenten.

Als Einrichtung hatte der Reitstall bis in die 1830er-Jahre sogar „internationale Bedeutung“, wie es in historischen Quellen heißt.

Über Jahrzehnte hinweg wurde im 20. Jahrhundert immer wieder einmal über einen möglichen Abriss gesprochen, 1968 wurde er schließlich vollzogen. Ein historisch wertvolles Gebäude verschwand. Überbleibsel ist das Reitstalltor - es ist auch ein Mahnmal für eine missratene Stadtbaupolitik Ende der 60er-Jahre. (tko)

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