Göttinger Giftexperten warnen vor rohen Bohnen

Grüne Bohnen: Gekocht sind sie lecker, roh dagegen giftig, warnt das Giftinformationszentrum-Nord. Archivfoto: dpa

Göttingen. Das Giftinformationszentrum-Nord (GIZ-Nord) in Göttingen warnt aus aktuellem Anlass dringend vor dem Verzehr roher Gartenbohnen.

Seit Beginn der Bohnensaison bekommen die Giftexperten ungewöhnlich viele Anfragen von besorgten Anrufern, bei denen nach dem Verzehr von rohen Bohnen Magen-Darm-Probleme aufgetreten waren. „Zurzeit bekommen wir täglich ein halbes Dutzend Anfragen zu diesem Thema“, sagt der Giftexperte Dr. Andreas Schaper.

Sowohl Erwachsene als auch Kinder seien betroffen, sagt Schaper. Zwei Fälle stuften die Experten als mittelschwere Vergiftungen ein, hier hielt das Erbrechen über mehrere Stunden an. Nicht immer treten solche Symptome auf: „Manche reagieren sehr stark auf die giftigen Proteine, manche gar nicht.“.

Auslöser der teils erheblichen Beschwerden sind giftige Eiweißverbindungen (Phaseoline), die in den Bohnensamen enthalten sind. Schon der Verzehr von wenigen rohen Samen oder Schoten kann starke Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen hervorrufen. Beim Kochen werden diese giftigen Proteine, die häufig auch als „Phasin“ bezeichnet werden, zerstört.

Die Giftexperten empfehlen, Bohnen zu kochen und nicht nur zu erhitzen. Experimentelle Untersuchungen hätten gezeigt, dass eine Temperatur von 80 Grad Celsius nicht ausreiche, um die giftigen Proteine komplett unschädlich zu machen. Im Übrigen verweist das GIZ-Nord auf Zubereitungstipps des französischen Starkochs Paul Bocuse und des deutschen Gastrokritikers Wolfram Siebeck: Diese empfehlen für Brechbohnen und feinere Prinzessbohnen 15 Minuten Kochzeit, für die dünnen Keniabohnen (Haricots verts) 10 bis 15 Minuten.

Pilzsaison

Da inzwischen auch die Pilzsaison begonnen hat, erhalten die Göttinger Giftexperten derzeit vermehrt Anfragen zu Pilzvergiftungen. Es habe bereits mehrere Fälle gegeben, bei denen Betroffene mit Verdacht auf eine Knollenblätterpilzvergiftung im Krankenhaus behandelt werden mussten, sagt Schaper. Der Knollenblätterpilz ist besonders gefährlich, weil er schwere Leberschäden hervorruft, die schlimmstenfalls zum Tode führen können.

In den meisten Fällen hatten Betroffene die Knollenblätterpilze für Champignons gehalten. Solche Verwechslungen kommen immer wieder vor, weil sich beide Pilzarten auf den ersten Blick sehr ähnlich sehen. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal sind die Lamellen: Champignons haben immer gefärbte, Knollenblätterpilze immer rein weiße Lamellen. Ein weiteres charakteristisches Kennzeichen des Knollenblätterpilzes ist die Knolle an der Stielbasis. Allerdings ist die Knolle meist im Erdboden verborgen und steckt in einer lappigen Hülle. Pilzsammler sollten deshalb zur Sicherheit immer ein wenig scharren, um die Stielbasis freizulegen. (pid)

Das Giftinformationszentrum-Nord

Das Giftinformationszentrum-Nord in Göttingen ist die zentrale Giftinformationsstelle für die Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen. Die Göttinger Experten beantworten jährlich mehr als 35.000 Anfragen, meistens geht es dabei um akute Vergiftungsfälle.

Das Giftinformationszentrum-Nord ist rund um die Uhr unter der Notrufnummer 0551-19240 erreichbar. Vorsorgliche Anfragen können auch per E-Mail übermittelt werden (anfragen@giz-nord.de). Weitere Infos unter www.giz-nord.de. (pid)

Von Heidi Niemann

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