Kreisvorstand sieht sich verleumdet

Göttinger Grüne sprechen sich gegen AfD-Wahlkampf aus

Göttingen. Nach Tumulten um den Bundestagswahlkampf der Göttinger Alternative für Deutschland (AfD) hat sich jetzt auch der Kreisvorstand der Göttinger Grünen zu Wort gemeldet. In einer Pressemitteilung fordert er dazu auf, der Kampagne der AfD keinen Raum zu geben.

Man sehe sich zudem durch Anhänger der AfD eingeschüchtert und verleumdet.

Bei der AfD handele es sich um eine rechtspopulistische Partei, die sich gerade in Südniedersachsen nur unzureichend von der rechtsextremistischen Szene abgrenze, so Grünen-Vorstandssprecher Sascha Völkening. „Wir rufen alle anderen demokratischen Parteien dazu auf, die Vorwürfe nicht aus wohlfeilen Motiven zu übernehmen, sondern sich kritisch mit der AfD und ihrer Kampagne auseinanderzusetzen.“ „Die AfD versucht derzeit bundesweit gezielt, legitimen Protest in die Nähe von Gewalt zu rücken, um sich als Opfer darzustellen“, erklärte Kreisvorstandssprecherin Marie Kollenrott. Dabei scheuten Teile der AfD und ihrer Anhängerschaft offenbar selbst vor der Einschüchterung und Verleumdung nicht zurück.

Lesen dazu auch:

Kommentar zu Grünen und AfD: Was fehlt ist eine klare Linie 

AfD: Angeblich Terror am Telefon

AfD: Wir werden tätlich angegriffen

Grüne Jugend ruft zu Aktionen gegen AfD auf

Völkening sei erschüttert davon, dass sich auf einer der AfD nahestehenden Internetseite eine Liste von Personen finde, die angeblich Gewalt gegen die AfD unterstützten. Darunter sei auch Kreisvorstandssprecherin Marie Kollenrott, die zur friedlichen Auseinandersetzung mit der Partei aufgerufen habe. Außerdem habe die Grüne Jugend Morddrohungen über ihre Internetseite erhalten. „Wir haben uns entschlossen Anzeige wegen Verleumdung zu erstatten“, heißt es in der Pressemitteilung.

Zuletzt aktualisiert um 9.38 Uhr

Der AfD-Kreisverband Göttingen/ Osterode dementiert die Vorwürfe der Grünen. Vom Vorstand der AfD seien weder Anrufe, noch Emails an die Göttinger Grünen und auch nicht an die Grüne Jugend ergangen, heißt es in einer Pressemitteilung. Das Festhalten der Grünen Jugend am Aufruf, AfD-Wahlplakate zu zerstören und den Wahlkampf zu behindern, zeige, dass die Grünen in ihren eigenen Reihen, besonders im Bezug auf gelebte Demokratie, noch sehr viel Arbeit vor sich hätten.

Grünen-Kreisvorstandssprecherin Marie Kollenrott verurteilte derweil erneut das Vorgehen einiger Aktivisten bei den Protesten gegen den Wahlkampfstand der AfD am vergangenen Samstag: „Wir lehnen Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung ab. Daher begrüßen wir es ausdrücklich, dass die Grüne Jugend ebenfalls deutlich gemacht hat, dass Gewalt für sie kein legitimes Mittel ist.“ Vor diesem Hintergrund sei es jetzt aber um so wichtiger, die AfD daran zu hindern aus den inakzeptablen Protestformen Mancher politisches Kapital zu schlagen.

In den vergangenen Tagen waren Wahlplakate der AfD zerstört worden. Vor einem Info-Stand der Partei in der Göttinger Innenstadt hatten sich linke Demonstranten Rangeleien mit der Polizei geliefert. Laut AfD-Kreisvorsitzendem Matthias Hans sollen Mitglieder der Partei zudem telefonisch massiv unter Druck gesetzt und bedroht worden sein.

Die Göttinger Polizei ermittelt derzeit von Amtswegen gegen Unbekannt (wir berichteten). (mhs)

Rubriklistenbild: © dpa