Größte Mumien-Ausstellung in Hildesheim: Göttingen ist dabei

Einzigartig: Auch die älteste ägyptische Mumie, die von „Idu“ aus der Zeit von 2278 bis 2184 v. Chr., ist im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim mit weiteren 200 Mumien zu sehen. Kurator Oliver Gauert zeigt das Exponat. Foto: dpa

Hildesheim. Mumien faszinieren. Ausgestellte tote Menschen polarisieren, so wie die „Körperwelten“ von Gunther von Hagens.

Wesentlich einfühlsamer mit dem Thema gehen die Macher der größten je in Deutschland gezeigten Mumienausstellung um, die bis zum 29. August im Hildesheimer Roemer- und Pelizaeum-Museum zu sehen ist. Die Absicht der Ausstellungsmacher wird beim Rundgang deutlich. In dem Museum werden die mehr als 200 Mumien, darunter 26 vollständig erhaltene menschliche Mumien, nicht aufdringlich, sondern pietätvoll präsentiert.

„Wir wollen keinen Voyeurismus betreiben, kein Gruselszenario aufbauen. Es geht uns um die respektvolle Darstellung“, betont Museumsdirektorin Prof. Regine Schulz. Das gelingt auch, weil die Exponate vom Fötus bis zu einer Mutter mit Kind im Arm im Kontext zu ihrem Lebens- und Kulturumfeld gezeigt werden.

Großflächige Fotografien vom Strand in Ozeanien bis zur Kirche in Europa spiegeln sich – gewollt – in den Glasvitrinen. So erscheint der restaurierte Kopf einer kindlichen Moorleiche, je nach Blickpunkt des Betrachters, auch in der wunderbar fotografierten Moorlandschaft.

Das verschafft mit ihren für sensible Besucher sicher belastenden Anblicken einen farbenfrohen Anstrich, ja sogar eine gewisse Leichtigkeit, nimmt den beeindruckende Exponaten dennoch nichts an Eindrücklichkeit. Der Designerin Viktoria Kirchkessner gelingt somit ein Kunstgriff, der auch eine weitere Prämisse der Ausstellungsmacher deutlich werden lässt: „Wir wollen die Menschen im Lebensumfeld zeigen, es sind Lebewesen“, sagt Regine Schulz. Fiktive Lebensbiografien auf Wandtafeln helfen dabei.

„Mumien der Welt“ stillt aber auch den Durst der wissenschaftlich Interessierten: Alle Mumien wurden vorher in Hildesheim im Computertomografen durchleuchtet. Das brachte ganz neue Erkenntnisse: So wurde das Genom eines Tuberkulose-Erregers von vor 250 Jahren in Ungarn identifiziert. „Der Erreger kann mit heutigen Erregern abgeglichen werden, das geht direkt in die Medikamentenforschung“, sagt Kurator Oliver Gauert.

Die Ausstellung erweitert unser von Ägypten geprägtes Bild von Mumien. Ein Bild, das auch durch Filme und Mythen kreiert wurde. Diesen Aspekt beleuchtet der Extra-Bereich „Mumien-Manie“ der Expertin und Sammlerin Christiane Fößmeier. Sie besitzt und zeigt unter anderem Originalrequisiten aus dem Film „Die Mumie“ mit Boris Karlov von 1932. Auch Exponate aus Kassel und Göttingen sind zu sehen: So die seltene kanarische Guanchen-Mumie der Uni Göttingen, die Kooperationspartner der Ausstellung ist.

„Mumien der Welt“: Bis 28. August im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim, Am Steine 1-2, www.rpmuseum.de

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