Randale statt Wahlkampf?

Grüne Jugend ruft zu Aktionen gegen AfD auf

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Unter Polizeischutz: Nach Rangeleien an einem Info-Stand der Alternative für Deutschland herrschte Alarmbereitschaft.

Göttingen. Die Grüne Jugend Göttingen hat der vermeintlich rechtspopulistischen Partei Alternative für Deutschland (AfD) den Krieg erklärt. Auf ihrer Internetseite rufen die jungen Grünen dazu auf, den Wahlkampf der AfD zur Bundestagswahl aktiv zu stören.

Die AfD-Nachwuchsorganisation "Junge Alternative für Deutschland" (JA) hat deshalb inzwischen Strafanzeige gestellt.

Mit ihrem Aufruf unterstützen die Nachwuchsgrünen die Kampagne "Alles muss man selber machen" der Antifaschistischen Linken International (ALI), deren erklärtes Ziel es ist, gegen rechte Propaganda in Göttingen und der Region vorzugehen. "Wir wollen nicht, dass solche und andere rechte Parteien ihr nationalistisches, rassistisches, antisemitisches und islamfeindliches Gedankengut verbreiten können, auch nicht im Wahlkampf", heißt es auf der Internetseite der Grünen Jugend.

Bisherige Bilanz: Zerstörte Wahlplakate in Duderstadt, ein mit Farbe beschmiertes Gasthaus in Geismar und eine Rangelei zwischen linken Demonstranten und Polizisten in der Göttinger Innenstadt, bei denen ein Beamter vom Faustschlag eines Demonstranten am Kopf getroffen wurde (wir berichteten).

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Die Parteijugend der AfD reagierte inzwischen auf den Aufruf der Jungen Grünen. Torsten Heinrich, Vorsitzender der JA, stellte Strafanzeige. Der Aufruf der grünen Jugend erfüllt nach seiner Meinung gleich mehrere Strafbestände. Eindeutig handele es sich um eine Aufforderung zum Begehen von Straftaten, heißt es in einer Pressemitteilung.

Bei Bündnis 90/ Die Grünen sieht man den Aufruf des Nachwuchs mit gemischten Gefühlen. "Wir stehen prinzipiell hinter der Grünen Jugend Göttingen", so die Kreisvorstandssprecherin der Göttinger Grünen, Marie Kollenrott. Es sei völlig legitim, sich mit den Inhalten jeder Partei und auch der AfD kritisch auseinander zu setzen.

Auch Demonstrationen seien nachvollziehbar. "Wir lehnen allerdings jegliche Zerstörung des Eigentums der AfD oder Gewalt in jeglicher Form strikt ab. Demokratische Spielregeln müssen eingehalten werden!" Jürgen Trittin, Direktkandidat der Grünen für die Bundestagswahl im Wahlkreis Göttingen, ließ über einen Sprecher seines Büros mitteilen, dass er diesem Statement nichts hinzuzufügen habe.

Vertreter der Jungen Union und der Jungen Liberalen aus Göttingen sprechen sich derweil entschieden gegen den Aufruf der Grünen Jugend aus. Ihr Verhalten wird schlicht als undemokratisch bezeichnet.

Die Grüne Jugend Göttingen veröffentlichte am Montag mehrere Kurznachrichten auf ihrer Internetseite, die angeblich nach dem Aufruf zum AfD-Boikott eingegangen sind. Darin werden den Nachwuchsgrünen unter anderem Nazi-Methoden vorgeworfen und Drohungen gegen Mitglieder ausgesprochen.

Von Moritz Schäfer

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