1. Startseite
  2. Lokales
  3. Göttingen

Hilfe für Flüchtlinge: Netzwerk „FairBleib“ fordert Dolmetscherdienst

Erstellt:

Von: Bernd Schlegel

Kommentare

null
Schlange an der Aufnahmestelle: Das Grenzdurchgangslager Friedland bereitet sich auf die nächsten Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien vor. Auch sie sind auf die Unterstützung des Netzwerkes „FairBleib“ angewiesen © dpa

Göttingen. Wenn es um die Unterstützung von Flüchtlingen aus aller Welt in Südniedersachsen geht, dann ist das Netzwerk „FairBleib“ die zentrale Anlaufstelle. Sie ist eine von bundesweit 28 Beratungsnetzwerken und kümmert sich um die Betroffenen.

Doch der Fortbestand der Einrichtung, die derzeit um gut 560 Flüchtlinge in den Kreisen Göttingen, Northeim und Osterode betreut, ist gefährdet. Zum Jahresende läuft die Finanzierung aus. Die Verantwortlichen hoffen, dass sich bald eine Lösung findet, damit das Projekt eine Zeit lang weiterlaufen kann. Was danach ist, steht derzeit völlig in den Sternen, denn neue Programme sind noch in der Beratung. „Es muss etwas Neues geben“, sagt Bernadette Tusch vom Göttinger Institut für angewandte Kulturforschung.

Das Problem: Die Zahl der Flüchtlinge in Südniedersachsen hat sich innerhalb von gut einem Jahr verdoppelt. Außerdem werden nun verstärkt Betroffene aus Syrien erwartet, die vor den dortigen Unruhen fliehen beziehungsweise über eine Flüchtlingsregelung in Deutschland aufgenommen werden.

Wie wichtig das Netzwerk ist, zeigt nach Darstellung von Tusch , die Tatsache, dass viele Betroffene Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben. Über das Netzwerk, das die Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen koordiniert, werden auch Sprachkurse für die Flüchtlinge vermittelt. Allerdings sind dies keine klassischen Integrationskurse, weil darauf nur bestimmte Gruppen einen Anspruch haben.

Viel Verantwortung lastet nach den Erfahrungen von Tusch auf den Kindern der Flüchtlinge. Hintergrund: Sie müssen oft für ihre Eltern übersetzen, zum Beispiel beim Arzt oder im Krankenhaus. Noch schwieriger ist die Situation natürlich beim Umgang mit den Behörden. „Viele Betroffene verstehen die Schreiben einfach nicht. Dadurch werden zum Beispiel Fristen nicht eingehalten“, so Tusch. Das Netzwerk, in dem ein halbes Dutzend Partner eng zusammenarbeiten, spricht sich dafür ein, dass für Behördenbesuche ein Dolmetscherdienst eingerichtet wird. Dieser könnte beispielsweise beim Migrationszentrum der Diakonie in Göttingen eingerichtet werden. Mathis Weselmann, Pressesprecher der Bildungsgenossenschaft, bringt es auf den Punkt: „Integration ist eine Investition in die Zukunft. Und es spart am Ende Geld.“ (bsc)

Kontakt: Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen, Lange Geismar Straße 73, 73073 Göttingen.

www.bildungsgenossenschaft.de

Auch interessant

Kommentare