Kommentar: Kein leichter Job für den Fusions-Landrat Reuter

Der Landkreis behält seinen Chef: Bernhard Reuter (SPD) wurde in der Stichwahl im Amt bestätigt. Dazu ein Kommentar von Thomas Kopietz.

Für die SPD ist es ein wichtiges Ergebnis und weit mehr als nur eine Personalie: Einer der wichtigsten Landkreise in Niedersachsen, einer, der eine schwierige Fusion eingeleitet hat, behält seinen – roten – Landrat.

Das Ergebnis für Bernhard Reuter freilich ist kein berauschendes, angesichts der Bedingungen und Vorgeschichte aber ein durchaus respektables, denn es gibt im zukünftigen weitläufigen Landkreis Göttingen sehr unterschiedliche Strömungen: Da ist das traditionell schwarze Eichsfeld, da ist die SPD-Hochburg Göttingen mit einer deutlich grünen Einfärbung und da ist eine Kreisfusion-Gegnerschaft im Raum Osterode und Harz.

All das erklärt auch das mehr als achtbare Resultat für den relativen Politik-Neuling Ludwig Theuvsen, der – wie auch die Christdemokraten – selbstbewusst aus dem Wahlabend herausgehen kann und sogar für weitere Kandidaturen (Landtag?) in Frage kommen könnte.

Der erfahrene Bernhard Reuter hatte Vorteile: als Amtsinhaber, als bekannter Politiker und erfahrener Verwaltungschef, diesbezüglich mit gutem Leumund. Und Bernhard Reuter ist gut vernetzt, im Land und darüberhinaus – als ein Landrat, der in übergeordneten Institutionen mehr als nur mitredet.

Und der Landrat und Politiker Reuter kann so die Klaviatur der Beziehungen bedienen: Er weiß, an welchen Fäden er ziehen muss – auch in Hannover –, um etwas zu bewegen.

Bernhard Reuter hat die Fusion der Landkreise gegen Widerstände vorangetrieben, wollte zudem Northeim mit ins Boot nehmen. Dass dies nicht gelang, ist ihm nicht anzukreiden. Als Ex-Landrat von Osterode und Göttingen ist er zweifelsohne befähigt, die formal besiegelte Fusion ab November ins Laufen zu bringen.

An dieser Aufgabe wird er gemessen. Nach dem Druck, die Wahl gewinnen zu müssen – was die Landes-SPD auch erwartet hatte – muss Reuter nun die nicht wenigen Zweifler überzeugen.

Die Messlatte ist dabei die Bürgerfreundlichkeit und vor allem Bürgernähe. Sie will Reuter nicht einschränken. Der Service soll in bestehenden Verwaltungsniederlassungen erhalten bleiben. Im Gegenteil: Reuter will den Landkreis Göttingen leistungsstärker machen.

Klar ist: Leicht werden die nächsten Jahre nicht für den Landrat, der zudem als Vermittler gefragt ist, denn die Mehrheit im neuen Kreistag muss mit den befreundeten Grünen, dem er seine Liebe frisch und überschwänglich bekundet hat, und weiteren Verbündeten noch gesucht und gefunden werden.

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Rubriklistenbild: © Thomas Kopietz

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