Inklusive Fußballmannschaft SC Hainberg: Sieg ist nicht das Ziel

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Gemeinsam stark: Trainer Stefan Kurth (hinten) und seine Spieler Marvin Schönwies und Vanessa Linne üben einmal wöchentlich das Spiel mit dem Ball.

Göttingen. Dribbeln, Passen, Tore schießen – was für manch gesunden Menschen nicht immer einfach ist, lernen die Bewohner des Wohnhaus Zietenterrassen in Göttingen.

Die Inklusive Fußballmannschaft ist bei den Special Olympics in Hannover unter die besten 20 Mannschaften in Deutschland gekommen.

„Man darf hier auch mal Fehler machen“, sagt der 22-jährige Marvin Schönwies. Seit etwa einem Jahr ist er der Torwart in der Inklusiven Fußballmannschaft. Wie der Großteil seiner Mannschaftskollegen hat Marvin eine geistige Behinderung und konnte nur noch selten Fußball spielen – bis er Teil der Inklusiven Fußballmannschaft wurde.

Die wurde vor etwa neun Jahren gegründet, erzählt Trainer und Gruppenbetreuer Stefan Kurth. „Wir sind damals mit dem Team der Göttinger Werkstätten zu einem Turnier gefahren. Die Behinderten sind aber nur unter sich geblieben.“ Damit schwächere Spieler aber auch eine Chance bekommen, hat Kurth kurzerhand die Inklusive Fußballmannschaft gegründet.

Inzwischen trainieren 20 Spieler mit und ohne Behinderung gemeinsam auf dem Kunstrasenplatz des SC Hainberg. Auch fünf Frauen seien Teil des Teams. „Es spielen viele Studenten und Auszubildende bei uns mit.“ Die haben ihren eigenen Namen: „Gesunde Spieler heißen bei uns Partner. Die Spieler mit Behinderung sind die Athleten.“

Erst seit Beginn des Jahres ist die Mannschaft dem SC Hainberg angegliedert und kann regelmäßig trainieren. „Es ist toll, wenn zwischendurch Leute kommen und einfach zuschauen. Wir bekommen jetzt Anerkennung“, sagt Vanessa Linne.

Mit zwei Trainern und einem Torwarttrainer werden dann Laufeinheiten eingeschoben, Standardsituationen und das Passspiel geübt. Dabei habe es lange gedauert, bis die Trainer Strukturen in der Mannschaft hatten, sagt Kurth. „Wir mussten bei Null anfangen und erklären, wie Fußball überhaupt funktioniert.“ Damit sich niemand langweilt, würden immer wieder neue Strategien entwickelt. „Manchmal dürfen die starken Spieler dann nur mit ihrem schwachen Fuß schießen“, sagt der Trainer.

Doch auch wenn die Athleten nicht jeden Ball ins Tor schießen und ein Spiel manchmal gar nicht möglich ist, würden sie ihren gesunden Partnern einiges beibringen, sagt Kurth. „Wir spüren, dass es hier nicht ums gewinnen geht, es gibt einfach keine Missgunst untereinander. Es geht um die Gemeinsamkeit.“

Der intensive Zusammenhalt gefällt auch den Athleten. Egal, welche Behinderung ein Athlet habe, man könne mit jedem Spaß haben, sagt Vanessa. Und Marvin fügt hinzu: „Hier wird jeder aufgebaut, wenn es ihm schlecht geht.“

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