125 Jahre Wohnungsgenossenschaft: Redner fordern Zuschüsse für Bauten

Bezahlbare Wohnungen sind Mangelware: Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler hielt die Festrede beim 125-jährigen-Jubiläum der Wohnungsgenossenschaft eG Göttingen in der Stadthalle. Foto: Niesen

Göttingen. Die Wohnungsgenossenschaft eG Göttingen hat am Freitag ihr 125-jähriges Bestehen mit einem Festakt in der Stadthalle gefeiert. Dabei wurde nicht nur zurückgeschaut, sondern auch der dringliche Bedarf von bezahlbaren Wohnungen in der Uni-Stadt thematisiert.

Vor diesem sich dramatisch zuspitzenden Problem rief Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) dazu auf, verstärkt „bezahlbaren Wohnraum“ für Geringverdiener, einkommensschwache Bevölkerungsschichten und Flüchtlinge zu bauen.

Um dieses Ziel angesichts des knappen Wohnraums und steigender Baukosten zu erreichen, hält er eine öffentliche Bezuschussung für Bauprojekte erforderlich. Die Reduzierung von Grundstückspreisen, wenn sozialer Wohnungsbau entsteht, und zeitweiliger Verzicht auf energetische Auflagen, um die Baukosten nicht noch weiter in die Höhe zu treiben, seien ebenso wichtig.

Allein in Göttingen sieht Köhler bis 2030 einen Bedarf von 4820 Neubau-Wohnungen, davon 3440 im Geschosswohnungsbau.

In seiner Festrede zum Jubiläum der ersten Wohnungsgenossenschaft Göttingens in der Stadthalle verglich er die heutige Situation mit der des Entstehungsjahrs der Genossenschaft – 1891 wurde sie als Spar- und Bauverein gegründet.

Damals wie heute seien bezahlbare Wohnungen Mangelware und die Wohnungsgenossenschaften seien Einrichtungen, die Wohnraumbedürfnisse von finanziell schwach ausgestatteten Menschen erfüllen könnten.

Die Wohnungsgenossenschaft hat 12 421 Mitglieder und einen Bestand von mehr als 4500 Neubau-, Altbau- und Seniorenwohnungen.

Unterstützung erhält Köhler, der 16 Jahre die ebenfalls in Göttingen als Tochterunternehmen der Stadt arbeitende Städtische Wohnungsbaugesellschaft GmbH geleitet hat, vom Verbandsdirektor des Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Niedersachsen und Bremen, Heiner Pott. Er sagte, angesichts der durch die Decke schießenden Baukosten müssten die Rahmenbedingungen verbessert werden, unter anderem die Förderung. „Wir brauchen Zuschüsse.“

Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbandes der deutschen Wohnungs- und Immobilienunternehmen, lobte die Genossenschaft: „Wenn alle so solide gewirtschaftet hätten wie Sie, hätte es keine Finanzkrise gegeben.“

Die WG stellt nicht nur bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung, sondern zahlt Mitgliedern auch einen Zinssatz von fünf Prozent, verriet der Moderator der Jubiläumsveranstaltung, Lars Wätzold, der selbst ein „Genosse“ ist. Und deshalb trägt sie auch den Untertitel „WG wohnen + sparen“.

Hintergrund:

1891 gegründet, ist die Wohnungsgenossenschaft eG Göttingen das älteste Wohnungsunternehmen der Uni-Stadt. Seitdem wurden mehr als 4.300 Wohnungen in etwa 630 Häusern gebaut.

Vermietet wird an Mitglieder, derzeit mehr als 11.000. Sie zahlen nach Beitritt einen Geschäftsanteil von 800 Euro, der eine Beteiligung am Eigenkapital des Unternehmens darstellt. Anteil und Spareinlagen werden attraktiv mit fünf Prozent per anno verzinst. Infos zum Wohnungsangebot und allen Formalitäten gibt es unter www.wg-goe.de

Geführt wird die Wohnungsgenossenschaft Göttingen von den drei Vorständen Henning, Schreiber, Michael Przibilla und Carlo Scherrer. (tko)

Von Hans-Peter Niesen

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