Kaum Pilze wegen der Trockenheit: Wenig Arbeit für Göttinger Gift-Experten

Grüne Knollenblätterpilze: Sie sind hochgiftig und werden leicht mit essbaren Pilzen verwechselt. Foto: dpa

Göttingen. Wegen der langen Trockenperiode und dem dadurch verminderten Wachstum der Pilze hat es in Norddeutschland in diesem Herbst bislang nur wenige Vergiftungen gegeben. Beim Giftinformationszentrum Nord in Göttingen wurden im September nur etwa 40 Fälle gemeldet.

Dies ist der niedrigste Wert seit acht Jahren. Im September 2015 gingen die Berater des Zentrums noch mehr als 200 Fällen von Pilzvergiftung nach, im Vergleichsmonat 2010 waren es sogar über 250 Fälle, sagte Martin Ebbeke, der Leiter der Einrichtung. Der September ist der wichtigste Monat für Pilzsammler.

„Es hat in den vergangenen vier Wochen kaum geregnet, da wachsen einfach viel weniger Pilze“, sagte Ebbeke. Dies könne sich allerdings noch ändern. Wenn es feucht bleibe und gleichzeitig wieder wärmer werde, könne es auch in diesem Jahr noch viele Pilze geben. Das Giftinformationszentrum Nord ist eine gemeinsame Einrichtung der Bundesländer Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Es ist an der Göttinger Universitätsmedizin angesiedelt. Auch die Landesforsten bestätigen, dass derzeit kaum Pilze im Wald zu finden sind.

Unterdessen warnte das in Berlin ansässige Bundesinstitut für Risikobewertung insbesondere Flüchtlinge vor giftigen Pilzarten, die essbaren Pilzen aus anderen Ländern und Regionen sehr stark ähnelten. So könne der hochgiftige Knollenblätterpilz leicht mit dem essbaren Eier-Wulstling aus dem Mittelmeerraum verwechselt werden.

Nach Angaben des Institutes gehen rund 80 Prozent aller tödlichen Pilzvergiftungen auf diese Verwechslung zurück. Besonders gefährlich sei, dass der Knollenblätterpilz keinen abstoßenden Geschmack habe und die Vergiftungssymptome erst nach vielen Stunden aufträten. Flüchtlinge waren im vergangenen Jahr unter anderem auf Plakaten vor Vergiftungen mit dem Knollenblätterpilz gewarnt worden. (epd/bsc)

Tschernobyl-Folge: Pilze können radioaktiv belastet sein

Das Berliner Bundesinstitut für Risikobewertung und das Bundesamt für Strahlenschutz weisen mit Blick auf Pilze darauf hin, dass sie infolge der Atomkatastrophe in Tschernobyl vor 30 Jahren immer noch radioaktiv belastet sein können.

Deshalb gehörten Wildpilze nur gelegentlich auf den Speiseplan, heißt es. Das Bundesumweltministerium rät Verbrauchern, pro Woche nicht mehr als 200 bis 250 Gramm Pilze zu essen.

Wer sich nach der Pilzernte unsicher ist, ob diese genießbar oder giftig sind, kann gegen eine geringe Gebühr die Göttinger Pilzberatung in Anspruch nehmen.

Die Beratung ist bis Ende November mittwochs und sonntags von 18 bis 20 Uhr möglich. Die Berater sind unter der Rufnummer 0160/8154361 oder per E-Mail unter mail@pilztreff.de zu erreichen.

Außerdem stehen bei Vergiftungen die Experten des Giftinformationszentrums Nord zur Verfügung. (epd/bsc)

Kontakt: Giftinformationszentrum Nord, Robert-Koch-Straße 40, 37075 Göttingen, Tel. 05 51/1 92 40. www.giz-nord.de

www.pilztreff.de

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