Kunst-Quartier-Galerie: Sieger-Entwurf aus Kassel wird nicht gebaut

Zweiter ist nun Erster : Aus dem Architektenwettbewerb Kunst-Quartier Galerie in Göttingen geht nun der Entwurf des Leipziger Büros „Planungsteam Atelier ST“ in die Realisierung. Rechts neben dem Galeriegebäude das Grass-Archiv. Das Gebäude wird zur Frontseite fensterlos sein, weil es eine Galerie ist, Tageslicht störend wirken würde. Foto/Entwurf: nh

Göttingen. Es hat gedauert, aber jetzt ist die Entscheidung gefallen: Die Galerie im künftigen Kunst-Quartier wird nach den Plänen des Architektenbüros Atelier ST gebaut. Der Wettbewerbsgewinner aus Kassel, „Atelier 30 Architekten GmbH“ ist raus.

Die Projektrealisierung nach deren Plänen hätte den Finanzrahmen gesprengt, die als Obergrenze gesetzten 3,2 Millionen Euro überschritten. Man habe sich in den Verhandlungen nicht im Rahmen der finanziellen Vorgaben einigen können, sagt Stadtbaurat Thomas Dienberg.

Außerdem habe das Kasseler Büro auch eine fristgerechte Fertigstellung nicht zusagen können. „Das Projekt muss am 31. Dezember 2018 fertig sein“, ergänzt Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler. Nur dann fließt das vom Bund zugesagte Fördergeld in der kompletten Summe. Das Geld kommt aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“.

Laut Köhler sei man in der Stadtverwaltung nun auf Nummer-Sicher gegangen, um bis Ende 2018 die Galerie fertigstellen zu können. Das Atelier 30 hatte als Grund für eine nicht genau zu berechnende und möglicherweise längere Bauzeit die neue Mischbetontechnik genant.

Dem Kasseler Büro bleibt am Ende ein von einer Jury im April 2016 ausgezeichneter Sieger-Entwurf in einem nicht-offenen Wettbewerb mit 15 Architekten, verbunden mit 17 000 Euro Preisgeld.

Das „Architekturbüro Bär, Stadelmann, Stöcker“, dessen Entwurf Platz drei geholt hatte, hatte kein Interesse an einer konkreteren Planung und die Einladungen zu den Verhandlungsgesprächen mit der Stadt nicht wahrgenommen.

Nutznießer ist nun besagtes „Planungsteam ST“ aus Leipzig. Dessen Entwurf wurde von der Jury für Funktionalität und Materialbeschaffenheit gelobt. So soll es aus Ziegeln statt Beton errichtet werden. Auch die optische Anlehnung an – in dem Viertel einst vorhandene Lagerhäuser und Scheunen – hatte die Jury gelobt. Der Gebäudeplan wecke so Erinnerungen und „entwickle die Aura des Besonderen und Geheimnisvollen“, hatte es geheißen. Kennzeichen war ein steiles Dach zur Düsteren Straße und ein mit der Höhe zunehmender Gebäudekörper. Das Gebäude wird zur Frontseite fensterlos sein, weil es eine Galerie ist und Tageslicht beim Betrachten von Kunstwerken störend wirken könnte.

Nicht realisiert werden kann ein anderes Merkmal: Die auffälligen Buchstaben an der Front seien eine Gestaltungsmöglichkeit, würden als Angebot verstanden, könnten aber so nicht akzeptiert werden, teilt die Stadt mit.

Atelier ST wird nun die Vorentwurfplanungen beenden, wie Dienberg sagt: „Jetzt folgen die nötigen Vorarbeiten wie die statische Sicherung, die Baugrubenumschließung und archäologischen Grabungen im künftigen Baufeld.“

Von Thomas Kopietz

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