Literaturherbst: Lisa Kaltenegger: Die Erde als Cocktail-Tomate

Mit Spaß und Engagement bei der Sache: Prof. Lisa Kaltenegger bei ihrem Vortrag beim Literaturherbst. Foto: Kopietz

Göttingen. Comics in einem wissenschaftlichen Buch? Eine herrlich lockere, oft lachende Sternenforscherin bei einer Lesung? Ja, das gibt es, und all das passiert am Freitagabend in der Alten Staats- und Universitätsbibliothek – dank Lisa Kaltenegger, die, um in der Astro-Sprache zu bleiben, ein Komet mit prächtigem Schweif zum Start des 25. Literaturherbstes ist.

Einen Sitzplatz oder ein Pult brauchte die groß gewachsene, gebürtige Salzburgerin nicht. Die Professorin der Cornell University (USA) hielt es nicht am Platz, mitreißend präsentiert sie ihren Vortrag mit dem Buchtitel „Sind wir allein im Universum?“

Die Frage beantwortet die Expertin nicht. Aber sie ist überzeugt, dass die Menschen eine Lösung finden werden. „Wir leben in einer unheimlich spannenden Zeit“, schwärmt Kaltenegger. Einer Zeit, in der gerade die Hochleistungsteleskope gebaut werden, um weit klarer auf die Suche nach Leben auf Exo-Planeten gehen zu können. „Und wir sind dabei!“

„Das Schöne ist, die Wissenschaft geht Stück um Stück voran.“ Noch vor kurzem habe man nicht viel über die Erde und die Sonne gewusst. „Jetzt kennen wir unseren Platz im Sonnensystem, landen auf Kometen und Planeten.“

Kaltenegger erklärt in klarer Sprache und wunderbaren Bildern – die im Buch als Comic zu finden sind: „Wenn unser Sonnensystem die Größe von einem Keks hätte, dann wäre der nächste Stern zwei Fußballfelder weit entfernt“, sagt Kaltenegger und fügt lachend an, „das verstehe sogar ich“. Unser Sonnensystem ist für die Professorin ein Obstsalat: Der Jupiter darin die Wassermelone, die Erde im Vergleich eine Cocktail-Tomate, aber eine blaue. Mögliche weitere Cocktail-Tomaten gibt es in Massen: Unsere Galaxie, die Milchstraße besteht aus Milliarden Sonnen, misst 100.000 Lichtjahre im Durchmesser. Auf jeden Stern kommen Planeten. Kein Wunder also, dass schon jetzt 3500 „Erden“ identifiziert sind, die ähnliche Wärmebedingungen wie der Blaue Planet haben.

Die neuen Super-Teleskope fahnden nach Licht-Fingerabdrücken der Zweiterden. Sie werden viele neue entdecken, weiß Lisa Kaltenegger.

Die Astrophysikerin hilft derweil schon jenen, die die Idee von mit Super-Lasern befeuerten Nano-Kleinstraumschiffen ins Universum jagen wollen – auf der Suche nach Leben im All. „Die Idee hat mich fasziniert, also mache ich mit“, sagt Kaltenegger, die zu ihrem Fachgebiet genau so gekommen ist. „Ich war immer neugierig und fasziniert von Sternen.“

Beim Signieren der Bücher nimmt sie auch scheinbar banale und unwissenschaftliche Fragen ernst, beantwortet sie mit Humor. Wie jene nach dem Wert der Horoskope: „Meinen Studenten sage ich immer, behaltet das Gute der Vorhersage, das Schlechte vergesst einfach.“ (tko)

Von Thomas Kopietz

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