Präsentation im Geowissenschaftlichen Museum der Universität Göttingen

Medusenhaupt Fossil des Jahres

Fossil des Jahres: Prof. Joachim Reitner, Präsident der Paläontologischen Gesellschaft (rechts) und dessen Archivar Dr. Mike Reich präsentierten das „Schwäbische Medusenhaupt“. Foto: Schröter

Göttingen. Das „Schwäbische Medusenhaupt“ ist Fossil des Jahres 2014. Professor Joachim Reitner, Präsident der Paläontologischen Gesellschaft, präsentierte die Riesen-Seelilie (Seirocrinus subangolaris) im Geowissenschaftlichen Museum der Universität Göttingen.

Seit 2008 wird das Fossil des Jahres gekürt. „Das ist eine gute Gelegenheit, ins Gedächtnis der Menschen zurückzurufen, dass Fossilien etwas ganz Besonderes sind“, sagte Prof. Reitner. „Seither haben wir bemerkenswerte Einschläge erzielt und Fossilien sind wieder mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.“ Dies sei vor allem deshalb so wichtig, weil die seit langem ausgestorbenen Tier- und Pflanzenarten Zeugen der Erdgeschichte und gleichzeitig Indikatoren dafür seien, wie es später einmal auf der Erde aussehen könnte.

Wurde in der Vergangenheit die Auszeichnung Fossil des Jahres ausschließlich an außergewöhnliche Einzelexponate verliehen, richtet sich in diesem Jahr das Augenmerk erstmals auf eine in vielen deutschen paläontologischen Museen vorhandene Stachelblüter-Art. Das „Schwäbische Medusenhaupt“ war eine ehemals im Meer lebende Tierart, die eine Größe von mehr als 15 Metern erreichte. Sie lebte vor 185 Millionen Jahren im Erdmittelalter, der Schwarzjura-Zeit. Fossilfunde der Riesen-Seelilie sind seit mehr als 300 Jahren bekannt. Sie wurden vor allem im süddeutschen Ohmden und Holzmaden, in England, Kanada und Japan gemacht.

„Berühmtheit erlangte die erste Beschreibung aus dem Jahr 1724 durch den Stuttgarter Hofprediger und Doktor der Theologie, Eberhard Friedrich Hiemer“, berichtete der Präsident der Paläontologischen Gesellschaft. Hiemer habe eine um 1700 bei Ohmden in Württemberg gefundene Schieferplatte mit Seirocrinus als „Caput Meduse“ beschrieben und dabei mit heutigen Stachelhäutern aus dem Indischen Ozean und Arktischen Meer verglichen. „Diese Originalplatte hat die Wirren der Zeit bis heute unbeschadet überstanden“, so Reitner. Seit 1827 befindet sich das Kleinod in den geowissenschaftlichen Sammlungen der Universität Göttingen: „Und jetzt hoffen wir natürlich, dass dieses Fossil des Jahres auch von einer breiten Öffentlichkeit als etwas Besonderes wahrgenommen wird.“ (per)

Das Geowissenschaftliche Museum der Universität Göttingen, Goldschmidtstraße 1, ist montags bis freitags von 8.30 bis 17.30 Uhr sowie am ersten Sonntag im Monat von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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