Missbrauch in katholischer Kirche: Bistum schaltet Gutachter ein

Prävention: Bei einer Fachtagung des Bistums Hildesheim ging es 2015 auch darum, Missbrauchsfälle zu verhindern. Foto: dpa

Göttingen. Das Bistum Hildesheim hat jetzt ein sozialwissenschaftliches Forschungsinstitut mit der externen Aufarbeitung von zwei Missbrauchsfällen in der Diözese beauftragt.

Das Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) in München solle den Umgang mit den Missbrauchsvorwürfen gegen den 1988 verstorbenen Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen sowie den pensionierten Priester Peter R. untersuchen, teilte die Bischöfliche Pressestelle am Dienstag mit. Janssen war von 1957 bis 1982 Bischof von Hildesheim gewesen.

Im Frühjahr 2015 waren Vorwürfe bekannt geworden, dass Janssen in den ersten Jahren seiner Amtszeit wiederholt einen Messdiener missbraucht haben soll.

Der heute 75 Jahre alte Pater Peter R. soll einer der Haupttäter der jahrelangen sexuellen Übergriffe auf Schüler am Canisius Kolleg in Berlin gewesen sein. 1982 wurde er in die Jesuiten-Niederlassung Göttingen versetzt, wo er sieben Jahre lang als Jugendseelsorger tätig war. Nachdem es auch in Göttingen Hinweise auf sexuelle Übergriffe gab, wurde der Pater 1989 nach Hildesheim versetzt.

Mutter informierte Bischof

Soll Messdiener missbraucht haben: Ex-Bischof Heinrich Maria Janssen. Foto: dpa

Dort soll es zu weiteren Vorfällen gekommen sein. 1993 informierte eine Mutter den damaligen Bischof Homeyer darüber, dass Peter R. ihre 14-jährige Tochter unsittlich berührt habe. Daraufhin wurde ihm die Jugendarbeit verboten, weitere Konsequenzen – etwa eine Strafanzeige – gab es nicht. 1997 wurde er nach neuen Vorwürfen ins Dekanat Wolfsburg versetzt, später war er in Berlin und Hannover tätig. 2003 wurde er aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand versetzt.

Die externen Gutachter sollen klären, ob es neben den bekannten Missbrauchsvorwürfen weitere Hinweise auf sexuelle Übergriffe durch die beiden Geistlichen gibt.

Außerdem sollen sie bewerten, wie die Entscheidungsträger des Bistums mit den Fällen umgegangen sind und ob es ein institutionelles Versagen gab, das die mutmaßlichen Missbrauchstaten erleichtert und deren Verfolgung erschwert hat. Dabei geht es auch um die Frage, ob das derzeitige Präventionskonzept ausreicht, um Missbrauch zu verhindern.

Ferner sollen die Forscher prüfen, ob die Anerkennungszahlung von 10.000 Euro an das mutmaßliche Missbrauchsopfer von Bischof Jansen nach den bestehenden Vorschriften der Deutschen Bischofskonferenz geleistet wurde. Die Ergebnisse der Untersuchungen sollen bis Mitte 2017 vorliegen.

Das Münchner Institut hat bereits andere Missbrauchsfälle in kirchlichen Einrichtungen begutachtet, so in der Benediktinerabtei Kremsmünster sowie im Internat der Benediktinerabtei Ettal.

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