Neue Biobank in Göttingen: Reservoir für Medizin-Forschung

Robotertechnik bei minus 80 Grad: In dem automatisierten Lager können bis zu zwei Millionen Proben von Biomaterialien deponiert werden. Foto: UMG/nh

Göttingen. Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) verfügt jetzt über eine neue Spezialeinrichtung für die medizinische Forschung.

Zentrale Serviceeinheit

Am Mittwoch wurde im Versorgungsgebäude des Klinikums die UMG Biobank eröffnet. Die neu eingerichtete zentrale Serviceeinheit kann bis zu zwei Millionen Proben mit Biomaterialien von Patienten nach höchsten Qualitätsstandards konservieren und über viele Jahre aufbewahren.

Eingelagerte Proben

Die eingelagerten Proben sind eine wichtige Ressource für die Erforschung von Krankheiten wie beispielsweise Krebs, Alzheimer oder Multiple Sklerose. Wissenschaftler können durch Untersuchungen von Körpersubstanzen neue Kenntnisse über die Entstehung und den Verlauf von Krankheiten gewinnen und komplexe krankheitsbezogene Zusammenhänge besser verstehen.

Vier Millionen Euro

Die Einrichtung der neuen Biobank hat rund vier Millionen Euro gekostet. Die Göttinger Universitätsmedizin ist damit nach der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) die zweite Klinik in Niedersachsen, die über eine solche zentrale Serviceeinheit verfügt.

Roboter als Kernstück

Kernstück der Biobank ist ein Spezialroboter, der auch bei sehr kalten Temperaturen funktioniert. Der so genannte Kryoroboter fasst bis zu zwei Millionen kleine Röhrchen mit biologischen Proben wie Blut, Urin, Speichel, Zellen oder Gewebe. Er sortiert diese Biomaterialien in seinem automatisierten Lager ein und konserviert sie bei minus 80 Grad Celsius.

Automatisiertes Lager

Soll die Probe für Forschungszwecke untersucht werden, holt der Roboter das mit einem Barcode versehene Röhrchen aus dem automatisierten Lager wieder hervor. Daneben verfügt die Biobank über mehrere Stickstofftanks, in denen Proben bei Temperaturen zwischen minus 150 und minus 190 Grad gelagert werden können.

Diagnosezwecke

Die Proben stammen von Patienten des Göttinger Klinikums, denen zu diagnostischen Zwecken Blut, Urin, Speichel oder Gewebe entnommen wurden. Bislang seien solche Proben nach Abschluss aller notwendigen Untersuchungen immer entsorgt worden, sagt die Leiterin der Biobank, Dr. Sara Y. Nußbeck (33). Mit der neu eingerichteten Biobank bekommen Wissenschaftler die Möglichkeit, die Materialien für weitere Forschungen zu nutzen.

Einverständnis

Die Universitätsmedizin lagert allerdings nur Biomaterialien von Patienten ein, die damit auch einverstanden sind. „Jeder Patient kann zu Beginn der Behandlung entscheiden, ob ein Teil der ihm entnommenen Proben in der Biobank eingelagert werden darf“, erläutert Nußbeck. Die Spende sei freiwillig, die Entscheidung habe keinerlei Auswirkung auf die Behandlung. (pid)

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